Podcast„Ich muss wissen, warum ich etwas tue, sonst kann ich wenig Energie aufbringen“

Ein 3D-Drucker von EOS
Ein 3D-Drucker von EOSIMAGO / ZUMA Press


Wie lassen sich Herkunft und Zukunft vereinen? Vor welchen Herausforderungen stehen Familienunternehmen? Und welche Erfahrungen sammeln sie bei der Digitalisierung? Diese Fragen klärt „Alles neu…? Aus dem Maschinenraum”, der Interview-Podcast für den Mittelstand.


Es gibt Menschen, für die ist es eine schwere Bürde, wenn sie die Führung eines Familienunternehmens übernehmen müssen. Und es gibt Menschen wie Marie Langer, die seit Oktober 2019 Chefin von EOS ist, einem Pionier der additiven Fertigung des industriellen 3D-Drucks. Sie hofft in ihrer neuen Rolle tatsächlich etwas verändern zu können: kooperativer arbeiten, nachhaltigere Produkte entwerfen. „Ich war energiegeladen und sicherlich auch aufgeregt“, erinnert sich die CEO an ihren ersten Tag als Geschäftsführerin. „Insofern habe ich mich auf diese Reise gefreut.“

Dem Generationenwechsel an der Spitze ging ein fünf Jahre langer Prozess voraus, bei dem auch der Jesuit Michael Bordt, Vorstand des Instituts für Leadership an der Hochschule für Philosophie in München, als Coach geholfen hat. Er vermittelte zwischen Langer, ihren Eltern und ihrem Bruder. „Ich konnte es mir in einem Teil meines Kopfes vorstellen“, sagt Langer. „In einem anderen Teil war aber auch dieser Gestaltungswille und das Interesse an Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung.“ Um zu klären, ob und wie beides „zusammengehe“, habe es einige Zeit gebraucht. „Irgendwann habe ich meinem Vater dann gesagt, ich kann mir das sehr gut vorstellen, aber nur, wenn Nachhaltigkeit viel Raum gegeben wird.“

Talente fördern, statt auf allwissende Führungskräfte setzen

Denn genau hier sieht Langer viel Potential für den 3D-Druck, der aktuell vor allem in kleiner Stückzahl – und damit auch individueller – produzieren kann. „Das führt dazu, dass Kunden Produkte seltener neu kaufen und Produkte über die gesamte Lebensspanne nachhaltiger werden“, sagt Langer. „Wenn ich das jetzt über digitale Netzwerke dezentral aufbaue und nur dort fertige, wo ich es auch brauche, brauche ich Produkte nicht mehr um die Welt schiffen – und ich kann auch in Sachen Ersatzteillager ganz anders denken.“ Dieser Einfluss auf Produktionsprozesse war für Langer ein weiterer Beweggrund für den Schritt in die Chefetage. „Ich muss wissen, warum ich etwas tue, sonst kann ich sehr wenig Energie aufbringen“, erklärt sie.

Auf dem Weg in die Zukunft legt Langer Wert darauf, Talente und Wissen innerhalb von EOS zu nutzen, anstatt auf allwissende Führungskräfte zu setzen. Sonst ginge es nämlich nicht darum, wer die besten Ideen habe, sondern wer die Verantwortung für den jeweiligen Bereich habe, sagt sie. „Ich bin natürlich in der Gesamtverantwortung und habe viel Freiraum“, so Langer. „Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, wie stellt man sicher, nicht direktiv lauter Dinge zu entscheiden, die keiner mehr versteht.“ Dass sie als Geschäftsführerin in der zweiten Generation noch nah an ihrem Vater als „Gründerpersönlichkeit“ ist, schätzt Langer an ihrer Arbeit sehr. „Ich freue mich, dass ich Impulse von ihm dahingehend mitnehmen und mittragen kann.“

Warum sie gerne mal mit Microsoft-CEO Satya Nadella sprechen würde und wer sie außerdem inspiriert, erzählt Marie Langer CEO von EOS im Gespräch mit Tobias Rappers, Managing Director von Maschinenraum, und Nils Kreimeier, leitender Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital. Alle Folgen von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“ finden Sie bei Audio Now, Apple Podcasts, Deezer, Soundcloud und Spotify.


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