Deutschland digitalBig-Brother-Tarif für junge Autofahrer

Ein Mann hält eine Telematik-Box in der Hand
Die Telematik-Box wird über den Zwölf-Volt-Anschluss im Auto installiert

Die Lage

Junge Autofahrer bedeuten ein Dilemma für Versicherer. Einerseits werden sie umworben, weil jeder sie langfristig an sich binden will. Andererseits bedeuten sie größere Risiken als geübte Fahrer: Sie produzieren mehr Unfälle, fahren mit größerer Risikobereitschaft und verursachen daher höhere Kosten. Dass sich diese Probleme durch Kontrolle mildern lassen, zeigt das Modell des Begleiteten Fahrens für 17-Jährige.

Das Konzept

Die HUK-Coburg hat seit Anfang 2017 bundesweit einen Telematik-Tarif im Programm. Fahrer unter 25 können sich eine Box ins Auto einbauen lassen, die Daten zu Ort, Zeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, zum Bremsen und Lenken aufzeichnet. Eine HUK-Tochter errechnet daraus einen Fahrwert, nach dem sich die Höhe eines möglichen Bonus richtet. Der kann je nach Fahrverhalten bis zu 30 Prozent des Beitrags für Haftpflicht und Kasko ausmachen.

40.000 Verträge mit Telematik-Tarif hat die HUK seit dem Start des Modells im Januar 2017 abgeschlossen

„Wir entwickeln im Grunde das Begleitete Fahren weiter“

Jörg Rheinländer
Jörg Rheinländer

Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied HUK-Coburg, Bereich Autoversicherung

Warum kommen Telematik-Modelle in Deutschland erst relativ spät an?

Die deutschen Versicherungsprämien sind im internationalen Vergleich niedrig, weshalb andere Märkte früher dran waren. Zudem hat die Telematik durchaus ihre Kosten. Sie ist aber günstiger geworden, sodass sich das jetzt lohnt. Grundlage war für uns der Erfolg des begleiteten Fahrens. Das wird weiterentwickelt, mit technischen Hilfsmitteln.

Was wird dabei ausgewertet?

Zum Beispiel abruptes Bremsen oder rasche Beschleunigung. Wobei es nicht um Einzelfälle geht. Relevant wird es, wenn durchgängiges Verhalten erkennbar ist. Und meist überwiegt gutes Fahrverhalten.

Ihr Angebot zielt bisher nur auf junge Fahrer. Wird das ausgeweitet?

Die bisherige Nachfrage übersteigt unsere Erwartungen, und wir sprechen ja derzeit nur zehn Prozent der potenziellen Kunden an. Insofern liegt es nahe, über eine Ausweitung nachzudenken.