Jockey ClubHongkongs Wettkönige

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Per Touchscreen können die Besucher im Happy Valley Daten zu Pferden und Rennen abrufen (Foto: Pierfrancesco Celada)

Die Begehrlichkeiten dürften in Zukunft nicht kleiner werden. Schon heute ist der Jockey Club digitalisiert und internationalisiert. Wetten können per Smartphone-App abgegeben werden, nicht nur von Zockern aus Hongkong, sondern auch aus Südafrika, Kanada, Australien oder Großbritannien. Ein Klick, und die Wette ist unterwegs. Die Rechenpower der eigens dafür gebauten Server ähnelt dem, was so manche internationale Börse leistet. Der Chief Technology Officer des Jockey Clubs hat den gleichen Job vorher bei der Lufthansa gemacht.

Ein chinesisches Baden-Baden auf dem Festland

Der lukrativste Markt liegt aber nicht in Übersee, sondern in der unmittelbaren Nachbarschaft: auf dem chinesischen Festland. Dort will Engelbrecht-Bresges ein chinesisches Baden-Baden aus dem Boden stampfen. Im nahen Guangdong, dessen angenehm warmes Klima Millionen Touristen anzieht, investiert er gerade 500 Mio. Euro in eine neue, hypermoderne Rennbahn. Auf 150 Hektar entsteht dort auch ein Trainingsgelände samt Pferde-Swimmingpool mit Gegenstromanlage. Wie in China üblich, wird das Projekt ein wenig größer ausfallen. Die Zahl der Pferde, die dort trainieren sollen: bescheidene 660.

Pferdewetten sind in Festlandchina immer noch verboten, dieser Teil des Geschäfts bleibt weiter auf Hongkong beschränkt. Dafür sollen Showrennen Besucher anlocken und dafür sorgen, dass in Guangdong der Renminbi rollt. Engelbrecht-Bresges weiß, was es dafür braucht.

Er spaziert an der Rennbahn im Happy Valley entlang. Da erkennt ihn eine junge Frau. Sie ist aufgeregt, bittet um ein Selfie. Eigentlich hasst es der Clubchef, fotografiert zu werden, der Fotograf dieser Reportage hatte seine liebe Mühe mit ihm. Doch für die Zuschauerin nimmt er sich Zeit. Victory-Zeichen, Lächeln, vier Anläufe, bis sie zufrieden ist. Das Wichtigste für einen echten Rheinländer: ein guter Gastgeber sein.