Jockey ClubHongkongs Wettkönige

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Die High Society wollte nur das beste vom Besten

Als Engelbrecht-Bresges in Hongkong antrat, stand er vor einem Problem. Die britische High Society hatte den Club als ihr natürliches Habitat begriffen und ihn allein durch ihre Anwesenheit zu einem begehrenswerten Ort gemacht. Die neuen Herren dagegen kamen nicht automatisch, sie wollten überzeugt werden. Das funktioniert im aufstrebenden China nur, wenn man das Beste vom Besten bietet. Ein chinesischer Boss trinkt keinen Cognac, er trinkt Martell Creation Baccarat. Er fährt kein Auto, sondern einen SLR­McLaren. Und er besucht ganz sicher kein mittelmäßiges Pferderennen.

Die besten Jockeys, die besten Pferde mussten nach Hongkong kommen. Unter Engelbrecht-Bresges’ Ägide nahm der Club dafür reichlich Geld in die Hand. Allein der Hong Kong Cup im Dezember, das letzte Toprennen des Jahres, ist mit rund 2 Mio. Euro Preisgeld dotiert. Ein Coup gelang dem Clubchef, als 2008 die Olympischen Spiele in Peking stattfanden: Er holte die Reiterwettbewerbe nach Hongkong. „Das war ein besonderer Moment für uns. Weil es zeigte, dass Hongkong etwas auf die Beine stellen kann, was auf dem Festland noch nicht möglich war.“ Und dank der weltweiten TV-Übertragungen bekam das auch jeder mit.

Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. Heute sind die Rennen im Happy Valley Weltklasse. „Champions League“, sagt Engelbrecht-Bresges, der in Deutschland mal Fußball-Jugendnationalspieler war und für seine tödlichen Pässe gefürchtet wurde. Das hohe Niveau lockt immer mehr vermögende Rennpferdebesitzer nach Hongkong. Obwohl es hier kein Gestüt gibt, beherbergt die Stadt im Verhältnis zu ihrer Fläche mehr Spitzenpferde als jeder andere Ort der Welt. 1,5 Mio. Euro kosten die besten Tiere schon mal. Für die Reichen und Mächtigen sind sie hübsche Statussymbole: meine Yacht, mein Privatjet, mein Pferd. Der Sport ist im neuen China angekommen.

Neben der Rennbahn im Happy Valley steht keine schnöde Zuschauertribüne, hier ragt ein Luxustempel in die Nacht. Übereinandergestapelte Logen, hoch wie ein Stadion. Drinnen Komfort wie im Fünfsternehotel. Mehr als 2 000 Hummer sollen hier pro Abend im Kochtopf landen. Über die Flure eilen Butler mit Champagnerflaschen. „Kein Zutritt für Journalisten“, hieß es zuvor, doch Engelbrecht-Bresges sieht auch das entspannter als seine Entourage.

Je höher der Fahrstuhl fährt, desto exklusiver werden die Gäste – und desto schmallippiger gibt der Chef Auskunft über sie. In einer der obersten Etagen sagt er gar nichts mehr. Verschwiegenheit gehört zum Job. Er lässt sich gerade mal entlocken, dass er einen Großteil seiner Zeit mit „Stakeholder-Management“ verbringt. Sprich: die 26 000 illustren Mitglieder bei Laune halten. Sie machen den Jockey Club zur wohl einflussreichsten Institution Hongkongs und weit darüber hinaus.

Die Reichen und die Schnellen: Clubmitglieder begrüßen den Jockey Eddy W M Lai, Sieger in 288 Rennen (Foto: Pierfrancesco Celada)

Wer etwas zählt, ist drin. Um nur einige zu nennen: Da ist Li Ka-shing, einer der in Europa bekanntesten chinesischen Milliardäre, der sich in die deutsche Drogeriekette Rossmann eingekauft hat. Oder der Multimilliardär Henry Cheng, der eine Hotel- und eine Shoppingcenterkette kontrolliert. Noch reicher ist Lee Shau Kee, der ebenfalls in Immobilien macht und Hongkong mit Energie versorgt. Auch Robert Ng, Chairman der riesigen Sino Land Company, ist im Club. Eines der kontroversesten Mitglieder heißt Stanley Ho: Er besitzt mehrere der größten Casinos von Macau, war eine Weile unter den Top Ten der reichsten Chinesen, soll gerüchteweise mit vier Frauen gleichzeitig verheiratet sein und 17 Kinder haben. Im Vergleich geradezu bodenständig sind der Filmstar Donnie Yen, der Sänger Aaron Kwok und der chinesische Olympiaheld Li Ning, der 1984 in Los Angeles sechs Medaillen im Turnen gewann und heute ein führender Hersteller von Sportartikeln ist.

Nur noch 200 neue Vollmitglieder nimmt der elitäre Kreis inzwischen pro Jahr auf. Jeder von ihnen muss von mehreren Bürgen vorgeschlagen werden und ein penibles Auswahlverfahren durchstehen. Die Aufnahmegebühr von umgerechnet 55 000 Euro ist da das kleinste Problem. Dass viele Bewerber keine Pferdeliebhaber sind, sondern Geschäftskontakte knüpfen wollen, widerspricht zwar dem Gründungsgeist, ist aber längst akzeptiert.