Capital-HistoryWie Ingvar Kamprad mit Ikea die Art des Wohnens revolutionierte

Ingvar Kamprad mit dem berühmten Ikea-Katalogdpa

Die geniale Idee, aus der das größte Möbel­imperium der Welt wachsen wird, entsteht aus einem simplen Grund: Das Auto ist zu klein. Es ist 1955. Der spätere Designer Gillis Lundgren soll in einer Möbelfabrik einen Tisch für Ikea abholen, ein kleines Handelsunternehmen aus der schwedischen Provinz. Doch der Prototyp passt partout nicht ins Auto: nicht auf die Rückbank, nicht in den Kofferraum. Dann hat Lundgren einen Einfall. Er montiert kurzerhand die Beine ab und packt sie unter die Tischplatte. Ist handlicher.

Und sein Chef? Der entwirft daraus ein völlig neues Geschäftsmodell: den Möbelbausatz.

Dieser Chef hieß Ingvar Kamprad: Ikea-Gründer und der Mann, der das Wohnen revolutioniert hat. Tag für Tag holen heute Millionen Menschen Bausätze aus Ikea-Regalen, laden sie ins Auto und schrauben sie daheim zusammen, mit zu kleinen Inbusschlüsseln, die ihnen ewig aus der Hand fallen. So hat Ingvar Kamprad es die Welt gelehrt.

Dabei will er zuerst einfach nur Geld verdienen. Kamprad, Jahrgang 1926, Enkel armer Auswanderer aus Thüringen, wächst auf dem Hof Elmtaryd im Dorf Agunnaryd auf. In Småland, der südschwedischen Provinz, in der auch viele Geschichten von Astrid Lindgren spielen.

Fünf Jahre jung ist Kamprad, da fängt er mit dem Geschäftemachen an, kauft Streichhölzer in großen Packungen – und verkauft sie in kleinen Packungen weiter. Zuerst an die eigene Großmutter, dann an die Nachbarn. Bald erweitert er die Palette um selbst geangelte Fische und selbst gepflückte Preiselbeeren. Es folgen Gemüsesamen und Lametta für den Weihnachtsbaum, dann Bleistifte. Was Bauern halt so brauchen.

Kamprad lernt Tischler. Aber in der Seele ist er Krämer. „Handeln lag mir im Blut“, wird er Jahrzehnte später im Buch „Das Geheimnis von Ikea“ schreiben. „Verkaufen wurde zu einer Art fixe Idee.“ Mit 17 gründet er 1943 sein Unternehmen: Ikea – das steht für Ingvar Kamprad, Elmtaryd bei Agunnaryd.

Lieferung per Fahrrad

Anfangs ist Ikea Händler für alles: Feuerzeuge, Aktenordner, Nylonstrümpfe. Die Ware ist Kamprad schnuppe. Sein Alleinstellungsmerkmal indes hat er klar definiert: preiswerter als die Konkurrenz. „Ich konnte nie verstehen, warum Socken, die in der Herstellung 1 Krone kosten, im Geschäft 10 Kronen kosten sollen“, erzählt er später. Ikea ist billiger – auch weil Kamprad den Krimskrams anfangs oft persönlich mit dem Fahrrad ausliefert.

1948 nimmt er Möbel ins Sortiment. Nicht wegen seiner eigenen Tischlerausbildung. Sondern weil er ein Geschäft riecht. Es ist Nachkriegszeit, und Schwedens Regierung hat große Programme gestartet, um neue Wohnungen zu bauen.