Capital-History

Capital-HistoryDas Falschgeld-Imperium von Alves Reis

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Reis aber will mehr, ein noch besseres Geldwäschesystem. So entschließt er sich zum konsequentesten Schritt in dieser Situation: Er gründet eine eigene Bank. Mit gefälschten Urkunden und Verträgen beschafft er sich eine Lizenz und ruft die Bank Angola e Metrópole ins Leben – ein Finanzinstitut, mit dem er fortan ungehindert in Unternehmen, Immobilien und Ländereien investieren kann. So, erzählt er seinen Komplizen, werde man auch das letzte Ziel erreichen: „Dieses Ziel, meine Freunde, ist die Herrschaft über Portugal selbst. Und wir werden sie erlangen, ohne Revolution oder Staatsstreich, indem wir die Kontrolle über die Bank von Portugal kaufen.“

Es ist ein genialer Plan. Denn nach der damaligen Gesetzeslage darf allein die Bank von Portugal Strafaktionen gegen Geldfälscher einleiten. Erobert Reis die Macht über die Zentralbank, hat er praktisch nichts mehr zu befürchten. Er muss es nur schaffen, die Mehrheit der Aktien zu übernehmen, die seit Jahrzehnten bei den angesehensten Familien des Landes liegen. Reis’ Komplizen, Gustav Adolf Hennies und Karel Marang, feiern ihn als „eines der großen Finanzgenies dieses Jahrhunderts“.

Die Umsetzung des Plans wird jedoch teurer und schwieriger als gedacht. Gerüchte machen die Runde, Spekulanten steigen ein, die Kurse ziehen an. Bald braucht Reis mehr Geld. Und wieder fälscht er Unterlagen, schreibt Verträge im Namen des Zentralbankpräsidenten. Diesmal will er von der britischen Druckerei Waterlow & Sons fast doppelt so viele Fünfhunderter wie beim ersten Mal.

Über die eigene Bank pumpt er die neuen Escudo in die Wirtschaft. Und er investiert mehr und mehr im Ausland, vor allem in Angola. Reis wird dort als Retter Afrikas gefeiert. „Ich wurde mit so viel Liebe empfangen wie ein Messias mit einem riesigen Goldklumpen im Hintergrund“, erinnert er sich später. „Niemand sah in meinen Plänen die eines Träumers.“ Eine Zeitung preist ihn: „Hier ist ein Mann, der unseren uralten Träumen Gestalt geben wird.“

Zwei Scheine, eine Nummer

Zu Hause wird die Lage jedoch ernst. Das Kolonialministerium verdächtigt Reis, als Spion für die Deutschen zu arbeiten. Die Tageszeitung „O Século“ titelt am 23. November 1925: „Was geht hier vor sich?“ Und weiter: „Die berüchtigte Bank Angola e Metrópole hat zum Tigersprung auf koloniale Gesellschaften angesetzt. Sie möchte uns zuerst um unsere Kolonien und dann um unsere Unabhängigkeit bringen.“ Die Bank habe viel Geld, aber nur wenige Einlagen; sie investiere in unattraktive Aktien der Bank von Portugal und verleihe Geld zu viel zu günstigen Konditionen. Dahinter vermutet die Zeitung eine Verschwörung Deutschlands und anderer Nationen.

Und plötzlich kommt jemand darauf, dass die Bank mit gefälschtem Geld ihre Geschäfte ankurbeln könnte. Polizisten durchsuchen die Zentrale, finden aber nichts. Erst zwei Tage später, am Nikolaustag 1925, entdeckt ein portugiesischer Zentralbanker eine identische Seriennummer auf zwei Escudo-Scheinen. Der Schwindel des Jahrhunderts fliegt auf.

Am selben Morgen wird Reis verhaftet, als er aus Angola heimkehrt. Es ist aus.

Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, wollten Ende 1925 Hunderte die falschen Scheine bei der Bank von Portugal umtauschen
Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, wollten Ende 1925 Hunderte die falschen Scheine bei der Bank von Portugal umtauschen

Doch die Folgen sind längst nicht ausgestanden. Die Portugiesen strömen in Scharen zu ihren Banken, an den Schaltern bilden sich lange Schlangen. Alle wollen ihre 500-Escudo-Scheine loswerden. Und weil die Zentralbank nicht unterscheiden kann, welcher Schein echt oder gefälscht ist, tauscht sie alle. Das Vertrauen in den Escudo ist zerstört.