Capital-History

Capital-HistoryDas Falschgeld-Imperium von Alves Reis

Seite: 3 von 5

Erfundenes Siegel

Auch bei Waterlow & Sons sehen sie die Formfehler. Außerdem wundern sie sich, dass ein privates Konsortium dem armen Angola so viel Geld leiht und dafür zwar die gleiche Summe in Banknoten erhält, aber keine Zinsen. „Ich nehme mir die Freiheit, Sie vor dem Geschäft zu warnen“, telegrafiert der Vertriebsleiter der Druckerei an Sir William. Normalerweise sei auch gar nicht die Bank von Portugal, sondern die Banco Nacional Ultramarino für die Kolonien zuständig. Und sowieso: Alles an diesem Deal erscheine komisch.

Um alle Zweifel aus der Welt zu räumen, verlangt Sir William einen persönlichen Brief des Zentralbankpräsidenten. Reis fälscht auch den. Er erfindet ein Briefpapier mit Wappensiegel – obwohl die Bank so etwas nie benutzt, was Reis aber nicht weiß. Das Syndikat solle „alle Freiheiten haben“, steht in dem Brief, und man solle sich nicht wundern.

Am Ende druckt Waterlow 200.000 echte 500-Escudo-Noten für das seltsame Konsortium, die exakt denen einer früheren Lieferung gleichen. Druckkosten: 1500 Pfund, plus Verpackung, Fracht und Versicherung.

Im Auftrag des Betrügers druckte die offizielle Druckerei 200 000 echte 500-Escudo-Scheine
Im Auftrag des Betrügers druckte die offizielle Druckerei 200 000 echte 500-Escudo-Scheine

Reis und seine Komplizen können ihr Glück kaum fassen. Sie haben es geschafft. Allein der Wert dieser ersten Lieferung entspricht ungefähr einem Prozent des portugiesischen Bruttoinlandsprodukts – und verdoppelt die Zahl der 500-Escudo-Noten in dem Land beinahe. Am 10. Februar 1925 schleppen sie den ersten 50-Kilo-Koffer mit 10.000 Scheinen aus der Druckerei. „Schon gehörte Portugal fast ihnen“, schreibt Bloom. Aber eben nur fast.

Denn noch ist der Coup des Jahrhunderts nicht gelungen. Im Februar des Jahres 1925 ist Alves Reis unermesslich reich. Er hortet einen Schatz von 200.000 neuen, knisternden 500-Escudo-Scheinen. Doch wie soll er sie unters Volk bringen, ohne Verdacht zu erregen? Wie wäscht man so viel Geld?

Reis steigt ins Geldwechselgeschäft ein, in den schwarzen Geldmarkt von Oporto, wo die Portweinspediteure ihre Geschäfte machen. Er rekrutiert eine Armada freier Geldhändler, Drohnen genannt, die die Scheine gegen höhere Prämien als üblich in britische Pfund eintauschen. Parallel zahlen er und seine Helfer druckfrische Noten auf neue Bankkonten ein, meist in Kleinstadtfilialen großer Banken. Es ist ein gigantisches Geldwäschesystem.

Immer mehr Geld bringen Reis und seine Komplizen von der Druckerei in London nach Portugal, per Koffer im Zug. Reis wird reicher und reicher, er kauft Juwelen, den Palácio do Menino de Ouro in Lissabon und etliche Unternehmen.

Das Land wird von Escudo nur so überflutet – und die Leute werden misstrauisch. Überall warnt man vor Falschgeld. Die Zentralbank, die Bank von Portugal, untersucht die Scheine – und gibt Entwarnung: Das Geld ist echt, und dass Scheine mit der gleichen Seriennummer schon im Umlauf sind, merkt niemand.