Capital-History

Capital-HistoryDas Falschgeld-Imperium von Alves Reis

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Über einen Bekannten nimmt Reis Kontakt zu seinen späteren Komplizen auf, die über die nötigen Verbindungen und das Startkapital verfügen. Zu Karel Marang, einem holländischen Kriegsgewinnler, der sich mit gekauften Adelstiteln schmückt. Und zu Adolf Gustav Hennies, einem Deutschen, der mit krummen Geschäften reich wurde, aber in höchsten Kreisen verkehrt. „Es ist eine riesige Chance, die größte, die ich je hatte“, sagt Marang damals. Gemeinsam legen sie los.

Am 24. November 1924 tippt Reis auf seiner Schreibmaschine einen angeblichen Vertrag mit der Bank von Portugal. Danach darf eine Investorengruppe, die Angola 1 Mio. Pfund leiht, Escudo-Banknoten in ebendieser Höhe für die portugiesische Kolonie herausgeben. Es ist eine Lizenz zum Gelddrucken, im wahrsten Sinne. Einen wirklichen Kredit würde es natürlich nie geben. Die Komplizen müssen nur noch eine Notendruckerei von der Echtheit des Auftrags überzeugen – und haben dann echte Escudo in der Hand.

Bei näherem Hinsehen hätte jeder stutzig werden müssen. Um die Finanzen Angolas steht es damals schlecht, der Handel lahmt, Bodenschätze sind noch keine entdeckt. Für so viel Geld hätte man die gesamte Kolonie kaufen können. Und die Vorstellung, dass eine souveräne europäische Regierung Investoren erlaubt, so viel Geld zu drucken, ist auch damals absurd. Eigentlich.

„Geschäft ist Geschäft“

Es klappt trotzdem. Reis gibt sich Mühe, den Vertrag imposant aussehen zu lassen. Er lässt ihn beglaubigen und vom britischen, französischen und deutschen Konsulat abstempeln. Anschließend fälscht er noch die Unterschriften des Finanzministers und des Hochkommissars von Angola, klebt alles mit Siegelwachs zusammen. Fertig.

Seine Komplizen nehmen Kontakt zu Waterlow & Sons in London auf, einer der ältesten Druckereien Europas, die auch das Monopol für das britische Pfund besitzt. Chef des Hauses ist Sir William Waterlow, gerade drauf und dran, Oberbürgermeister von London zu werden. Seine Firma hat mehrfach Geld für Portugal und Angola gedruckt, die Aufträge dafür kamen von der portugiesischen Botschaft – nun kommt Reis’ Komplize Marang. „Aber Geschäft ist Geschäft“, heißt es später.

Dummerweise hat der gefälschte Vertrag einige Lücken, Reis muss einen weiteren, detaillierteren Vertrag erfinden. Die Unterschriften vom Zentralbankpräsidenten und dessen Vize paust er einfach von einem Geldschein ab. Das Konsortium habe alle Rechte, sich Escudo drucken zu lassen, schreibt er. Die Druckerei solle die gleichen Druckplatten und Seriennummern benutzen wie bei vorherigen Aufträgen, nach Auslieferung würden die Scheine einen Stempel „Angola“ erhalten, damit nicht zwei gleiche Garnituren in Umlauf seien. Und, ach ja, alles solle bitte schön geheim ablaufen.

Dass er mit diesem Papier die große Druckerei zum Narren halten kann, glaubt Reis eigentlich selbst nicht. Er ärgert sich über ein paar Form- und Grammatikfehler. Aber wenn alles glattgeht, hat er bald Unmengen echte Escudo in Händen. Eine verlockende Aussicht.