Capital-HistoryDas Ende des asiatischen Wirtschaftswunders

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In den Jahren danach bauen die Tigerstaaten große Reserven auf, entrümpeln ihre Finanzsektoren, stärken die Bankenaufsicht. In der globalen Finanzkrise ab 2007 kommen sie fast ungeschoren davon. Genau wie die asiatischen Banken, die vorsichtig investiert haben.

Der IWF aber erlebte in Asien sein „Stalingrad“ (Walden Bello); sein Versagen bescherte der globalisierungskritischen Bewegung neue Munition und neue Mitstreiter. In der Folgezeit rückt der Fonds schrittweise vom Washington Consensus ab. 2010 einigt man sich auf eine IWF-Reform, die den Schwellenländern mehr Gewicht einräumt. Sie ist jedoch bis heute nicht umgesetzt. Die Machtstruktur des IWF bleibt bis auf Weiteres unangetastet – ähnlich wie die Architektur der Finanzmärkte, die auch nach 2007 nicht grundlegend neu geordnet wurden.

Die Weisheit der Alten

Am 15. Dezember 2006 treffen sich zwei alte Männer in einem Luxushotel in Kuala Lumpur. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Zunächst sprechen sie in einem Hotelzimmer miteinander, dann schütteln sie sich in der Lobby vor laufenden Kameras die Hände. Es ist eine Versöhnung. „Mr. Soros hat gesagt, er sei an der Abwertung der malaysischen Währung nicht beteiligt gewesen“, sagt Mahathir, 80. „Ich habe das akzeptiert.“

„Meine Ansicht ist, dass die Verantwortung nicht bei den Spekulanten liegt, sondern bei jenen, die die Macht innehaben“, gibt George Soros, 76, zurück. „Die Regierenden müssen entscheiden, wie Märkte funktionieren sollen.“