Capital-HistoryDas Ende des asiatischen Wirtschaftswunders

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Krise frisst sich durch die ganze Region

Währungswetten funktionieren nach einem simplen Prinzip: Erwartet ein Spekulant einen Kurseinbruch, etwa des Baht, nimmt er einen Kredit in Baht auf und tauscht die Summe in Dollar um. Verliert der Baht dann tatsächlich an Wert, muss der Spekulant nur einen Bruchteil seiner Dollar in Baht zurücktauschen, um seinen Kredit zu tilgen. Der Rest ist sein Gewinn.

Im Fall von Thailand setzen Hedgefonds große Beträge ein. Schon durch deren Wechselgeschäfte gerät der Baht unter Druck. Thailands Zentralbank kann nur gegensteuern, indem sie in großem Stil Baht aufkauft. Doch ihre Reserven sind bald erschöpft: Belaufen sie sich Anfang 1997 noch auf 38 Mrd. Dollar, sind es im Juni nur noch wenige Milliarden. Am 2. Juli kapituliert die Zentralbank: Sie löst die Dollarbindung und gibt den Kurs frei. Über Nacht fällt der Baht um 20 Prozent.

In westlichen Hauptstädten spöttelt man zu diesem Zeitpunkt noch über die „thailändische Krankheit“. US-Präsident Bill Clinton ist der Ansicht, Thailands Schwierigkeiten seien nur „ein kurzes Motorstottern auf der Überholspur“.

Da irrt er sich. Denn nun passiert dreierlei: Erstens haben viele thailändische Banken und Firmen hohe Schulden in Fremdwährungen, für die sie jetzt weit höhere Baht-Beträge aufbringen müssen. Eine Pleitewelle rollt an. Zweitens sind Portfolioinvestoren, die zuvor nicht genug Tiger-Aktien in ihren Depots haben konnten, tief verschreckt: Die „Elektronische Herde“, wie der „New York Times“-Kolumnist Thomas Friedman sie nennt, gerät in Panik – und verkauft, was sich verkaufen lässt. Die Aktienmärkte brechen ein.

Drittens endet die Krise nicht in Thailand, sondern frisst sich durch die ganze Region. Investoren fragen sich: Wenn ein gerade noch so hervorragend bewertetes Land wie Thailand von heute auf morgen abschmieren kann – wer garantiert mir, dass es anderen Tigern nicht ähnlich gehen wird? War das „Ostasiatische Wunder“ nur eine Chimäre? Besser auf Nummer sicher gehen!

In den folgenden Monaten attackieren Spekulanten den Ringgit, die indonesische Rupiah, den südkoreanischen Won, den philippinischen Peso. Keinem der Länder gelingt es, den Angriffen standzuhalten. Die Abwertungen sind teils dramatisch: Bekommt man am 13. August 1997 für einen Dollar 2682 Rupiah, sind es am 22. Januar 1998 über 17.000. Überall stoßen Investoren ihre Aktien und Beteiligungen ab, fordern Gläubigerbanken ihr Geld zurück. Zwischen Dezember 1997 und April 1998 gehen allein in Südkorea mehr als 10.000 Unternehmen pleite.