InterviewHellofresh hat Großes vor

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„Uns geht es um profitables Wachstum“

Sie sehen sich also nicht als Opfer einer Blase, die Dampf ablässt?

Ich glaube, Sie machen sich darüber mehr Gedanken als ich. Wir stehen noch am Anfang unserer Entwicklung. In zehn Jahren werden wir den Wert von 2,6 Mrd. Euro vervielfachen.

Was sich derzeit vor allem vervielfacht, sind Ihre Verluste – in den ersten drei Quartalen 2015 um das Sechsfache, bei viermal so hohem Umsatz…

Wir starten jede Aktivität am Anfang sehr klein, und wenn es klappt, skalieren wir hoch, egal ob es ein neues Produkt ist oder eine Marketingkampagne. Wir fühlten uns relativ komfortabel, hatten das nötige Kapital, um aggressiver zu wachsen als in den Jahren davor. Das kostet Geld, aber wird sich auszahlen. Uns geht es um profitables Wachstum.

Eher Wachstum auf Pump.

Um unseren Wachstumspfad voll und ganz verstehen zu können, muss man sich definitiv mehr Daten anschauen als nur die letzten zwölf Monatszahlen. Profitabilität ist Gott sei Dank etwas, das wir sehr stark in der eigenen Hand haben, vor allem indem wir uns operativ verbessern. So wollen wir bis 2017 alle unsere Fulfilmentcenter – also Zentrallager und Distribution – selbst betreiben. Zum anderen können wir gut steuern, wie schnell wir wachsen wollen. Wenn wir uns also mit ein bisschen weniger Wachstum zufriedengeben, können wir auch sehr schnell Profitabilität erreichen.

Und was steht 2016 im Fokus: Wachstum oder schwarze Zahlen?

Derzeit haben wir eine stabile Neukundenakquise. Im Moment stehen die Zeichen also ganz klar auf Wachstum. Wenn ich bedenke, was wir an Leistungen und Services hinzufügen können, glaube ich, dass wir in jedem Land ein hohes Potenzial haben: auf ein Vierfaches des Umsatzes, den wir jetzt haben.

Ihr Mehrheitseigner Rocket will bis Ende 2017 mindestens drei seiner 13 sogenannten proven winners schwarz sehen. Werden Sie einer davon sein?

Wir sind Hellofresh, nicht Rocket. Rocket ist einer unserer Investoren. Wenn es darum geht, in welche Länder wir expandieren, wie wir unsere Teams aufstellen, welches Produkt wir anbieten, welche Strategie wir fahren, dann ist das eine Hellofresh-Strategie. Da treffen wir die Entscheidungen. Wir haben die Möglichkeit, in naher Zukunft profitabel zu werden, wenn wir das wollen. Wir haben die richtigen Hebel.

Rocket Internet ein Investor unter vielen

Drängen Sie auf neue Märkte? Sie waren gerade in Skandinavien…

Wir haben auch in der Vergangenheit nie etwas zu Expansionsplänen gesagt. Der größte Teil des Wachstums wird für uns aus bestehenden Märkten kommen.

Wie lange reichen Ihre Barmittel denn noch? Auf die zuletzt ausgewiesenen 81 Mio. Euro kommen die 75 Mio. von Baillie Gifford hinzu.

Richtig. Wenn wir gute Wachstumschancen sehen oder expandieren wollen, dann sind wir offen, weiteres Kapital aufzunehmen.

Zum Glück hat ja auch Rocket-Chef Oliver Samwer mal wieder frisches Geld eingesammelt. Wird so ein Plan in der Rocket-Familie intern kommuniziert?

Über Rocket und den neuen Fonds wissen die Medien wahrscheinlich besser Bescheid als ich. Und es ist mir relativ egal, ob es da jetzt einen Fonds gibt oder nicht. Das wird auf uns keinen großen Einfluss haben. Wenn wir Kapital brauchen sollten, werden wir sowohl zu potenziellen neuen als auch zu bestehenden Investoren gehen. Ob das nun Rocket Internet ist oder einer unserer vielen anderen Geldgeber wie Phenomen Ventures.

Wie oft reden Sie eigentlich mit Oliver Samwer?

Es gibt Wochen, an denen wir jeden Tag reden. Dann gibt es Monate, in denen wir uns kein einziges Mal austauschen. So wie mit jedem anderen Investor auch.

Und wie war das nach dem geplatzten Börsengang?

Unterm Weihnachtsbaum haben wir nicht viel gesprochen.