PodcastHans-Joachim Flebbe: „Der neue James Bond wird für die Kinos zur Nagelprobe“

Hans-Joachim FlebbeIMAGO / Future Image

In diesen Tagen werden in Großbritannien neben neuen Filmen wie „Peter Rabbit 2“ Klassiker wie der erste Teil von „Herr der Ringe“, „Taxi Driver“ oder „Grease“ gezeigt – Erinnerungen an die große Zeit des Kinos zum Start des Kinos nach dem langen Lockdown. Auch in Deutschland blicken Kinobetreiber wieder nach vorn. „Wir gehen davon aus, dass es in Deutschland zwischen dem 15. Juni und dem 1. Juli soweit sein wird“ sagte Hans-Joachim Flebbe im Podcast „Die Stunde Null“. Er ist Gründer der Cinemaxx-Kette und baute nach seinem Ausstieg 2009 eine Gruppe von Premiumkinos auf, etwa den Berliner Zoopalast.


Es gibt also Zuversicht, zugleich herrscht die Furcht, dass sich die Menschen im Lockdown daran gewöhnt haben, Filme zu Hause über Streamingdienste wie Amazon Prime oder Netflix anzuschauen. Der neue James Bond, der nach mehrmaligen Verschiebungen Ende September in die Kinos kommen soll, werde die „Nagelprobe für die ganze Kinoszene“ sein, so Flebbe. „Wenn man 15 Monate lang auf das Kino verzichtet hat und seine Filme nur auf einem Laptop oder im Fernsehen zu Hause angeguckt hat, wird man wieder Lust verspüren, den Film an dem Ort zu erleben, für den er auch gemacht wurde.“

Ein weiteres Problem für die Kinos, die 2020 im Schnitt rund 70 Prozent ihres Umsatzes verloren haben, ist der Wandel ihres Geschäftsmodells. Früher gab es ein exklusives Fenster von vier Monaten, bevor Filme ins Fernsehen, auf DVD oder auf Plattformen zu sehen waren. Nun planten Streaminganbieter auch Day-to-day-Releases, also gleichzeitige Starts. „Dagegen kämpft die ganze Kinobranche an“, berichtete Flebbe. Das sei „eine einseitige Änderung des langjährigen Auswertungsmodells“, mit dem alle gut Geld verdient hätten. Die Plattformen „diktieren derzeit die Bedingungen“, es laufe nicht mehr wie früher auf Augenhöhe. „Die großen Streamingdienste haben mehr oder weniger die Macht übernommen, nach denen die Kinowelt zu funktionieren hat“, sagte Flebbe, der Ende der 1970er-Jahre sein erstes Kino in Hannover gründete. „Das Kino dient dann nur noch als Marketinginstrument“, sagt Flebbe.

Flebbe schätzt, dass die Pandemie ihn 1 Mio. Euro pro Monat gekostet hat, insgesamt zwischen 10 bis 12 Mio. Euro. Nur die Hälfte sei ihm erstattet worden. „Es ist jetzt Mitte Mai, und wir haben die Novemberhilfen noch nicht bekommen“, sagte Flebbe, der sich schon im Herbst tief enttäuscht über die Versprechungen der Regierung gezeigt hatte. Die Hälfte seiner 750 Mitarbeiter musste Flebbe inzwischen entlassen.

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • welchen Film Flebbe sich als erstes nach der Wiedereröffnung der Kinos anschauen wird,
  • warum die Arthouse-Kinos wahrscheinlich besser durch die Krise kommen werden als die großen Ketten,
  • warum Popcorn und Cola für die Kinos so wichtig sind.

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