InterviewHandelskonflikt: „China muss sich öffnen“

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Noch handelt es sich dennoch lediglich um Ankündigungen. Sind Trumps Androhungen nicht vielleicht doch nur ein Bluff, um die Chinesen vor sich her zu treiben?

Es ist meiner Ansicht nach sehr wahrscheinlich, dass die Drohungen umgesetzt werden. Auch US-Zölle auf europäisches Aluminium und auf Stahl sind ja noch nicht vom Tisch. Trump wird etwas machen müssen, um seine Wahlversprechen umzusetzen. Auch wenn die Folgen fatal sind.

Wie bewerten Sie denn die Gegenmaßnahmen der Chinesen? Ist es der richtige Weg, Gleiches mit Gleichem zu vergelten?

Aus Sicht der Chinesen habe ich für diesen Schritt Verständnis, denn ein Land muss sich zur Wehr setzen und zeigen, dass es nicht bereit ist, die Schritte der amerikanischen Wirtschaftspolitik unkommentiert hinzunehmen.

Hat Trump aber nicht auch einen Punkt, wenn er China unfaire Praktiken vorwirft?

China betreibt seit langem einen starken Protektionismus. Patentrechte und Eigentumsrechte werden mit Füßen getreten. China erschwert den Marktzugang für ausländische Investitionen. Das betrifft unter anderen Branchen wie Telekommunikation, Transport und Finanzen. Insofern habe ich Verständnis für beide Seiten. Wofür ich kein Verständnis habe, ist die Art und Weise der Amerikaner, damit umzugehen.

Fairer Handel bedeutet, dass ein Gleichgewicht an Offenheit besteht. Das ist hier nicht der Fall.

Marcel Fratzscher

Wie hätte der US-Präsident es besser machen können?

Trump hätte das Problem beim Namen nennen sollen und nicht wie bei den Stahl- und Aluminiumzöllen das Argument der nationalen Sicherheit anführen sollen. Sondern ganz klar und deutlich: Fairer Handel bedeutet, dass ein Gleichgewicht an Offenheit besteht. Das ist hier nicht der Fall. Trumps Vorstoß war tollpatschig und schlecht.

Bis zum Inkrafttreten der Zölle soll es erst einmal noch weitere Verhandlungen geben. Wie sollten beide Parteien idealerweise vorgehen?

Es besteht kein Zweifel daran, dass China sich öffnen muss. China muss sich an die internationalen Handelsgesetze halten. Das tun zurzeit die Chinesen noch seltener als die Amerikaner oder die EU. Das Land muss strategische Sektoren wie Telekommunikation, Transport und Finanzen für ausländische Investitionen öffnen. Es muss die Eigentumsrechte und Patentrechte ausländischer Unternehmen respektieren und andere regulatorische Barrieren abbauen, sodass ein fairer Handel entstehen kann.

Also liegt der Ball bei China…

China ist hier ganz klar im Zugzwang, um eine Symmetrie der Märkte herzustellen. Davon würde auch Deutschland profitieren, denn relativ exportieren deutsche Unternehmen deutlich mehr nach China als es amerikanische Firmen tun.