Analyse„Griechenland wird noch Jahre brauchen“

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Im öffentlichen Sektor allerdings haben die Verwaltung und das veraltete Bildungssystem bisher jeder Reformbemühung widerstanden. Und es bleibt die Frage, ob die Mehrheit der Griechen bereit ist für die strukturellen Veränderungen, die für eine nachhaltige Erholung nötig wären.

„Es wird noch Jahre dauern, bis die Griechen verstehen, dass Jobs in der Behörde, die lange die beliebtesten waren, in der Zukunft nicht die beste und sicherste Option sein werden“, sagt Panos Tsakloglou, Wirtschaftsprofessor an der Universität in Athen. „Im Gegensatz zu den meisten gutbezahlten Arbeitsplätzen im Privatsektor.“

Die privaten Unternehmen haben trotz des Wandels ebenfalls gelitten. Auch im Privatsektor, der zu 95 Prozent aus kleinen und mittelständischen Familienunternehmen besteht, haben sich die internationalen Auflagen ausgewirkt. „Von den vor der Krise erfolgreichen Unternehmen haben sich 20 Prozent modernisiert und sind gut im Geschäft“, sagt Pavlos Ravanis, Präsident des Verbandes kleiner Unternehmen in Athen. „Und weitere 40 Prozent kommen gerade so zurande, können ihre Schulden bedienen, machen aber keinen Gewinn.“ Es bleiben 40 Prozent, die Ravanis als „Zombies“ bezeichnet. „Sie zahlen keine Steuern und begleichen auch ihre Kreditschulden nicht“, sagt er. „Von denen kann nicht einmal die Hälfte gerettet werden, selbst wenn ein Investor bereit wäre, viel Geld hineinzupumpen.“

Ravanis hat das Glück, zu den Überlebenden zu gehören. Vor der Krise hatte er in erneuerbare Energien investiert, was zwar jetzt nicht mehr ganz so profitabel ist, aber ein ständiges Einkommen garantiert. Seine 60 Jahre alte Fabrik stellt Kindersocken her, wird von Ravanis Tochter gemanagt und gehört zur Kategorie derer, die „gerade so zurande“ kommen. Der Umsatz ist im Vergleich zur Zeit vor der Krise um 60 Prozent geschrumpft.

Der für Investitionen zuständige Vizeminister Stergios Pitsiorlas hält es für die wichtigste Aufgabe, eine Kultur zu entwickeln, in der Unternehmergeist und Exportstreben zum Tragen kommen. „Das fängt allmählich an“, sagt er. „Den griechischen Unternehmen ist in den Jahren der Krise klar geworden, dass sie exportfähige Produkte haben müssen um zu überleben.“ Ein Beispiel ist CHB, ein Nahrungsmittelverarbeiter mit Sitz in Athen. Früher verkaufte das Unternehmen vor allem Pfirsiche in Dosen. Jetzt hat man das Geschäft erweitert und produziert hochwertige Fruchtsäfte für die europäischen Märkte. „Wir bemühen uns, auf die veränderte Nachfrage zu reagieren“, sagt Nikos Christodoulou, einer der vier Brüder, die das Unternehmen leiten.