InterviewGesamtkunstwerk Kaufhof

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Galeria-Kaufhof-Filiale
Galeria Kaufhof, eine Tochter der Metro AG, betreibt in Deutschland 104 Waren- und 16 Sporthäuser, dazu 16 Filialen in Belgien. Die Gruppe ist operativ profitabel, mit 21.000 Mitarbeitern erzielt sie über 3 Mrd. Euro Umsatz – Foto: Metro AG

Bleiben die Grundbedürfnisse nicht letztlich stabil?

Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Früher galt die Regel: Menschen, die älter als 55 sind oder länger als 17 Jahre verheiratet waren, die haben sich nicht mehr scheiden lassen. Heute gibt es in dieser Gruppe die am schnellsten steigende Scheidungsrate. Die Kinder sind aus dem Haus, und auf einmal sind dann zwei auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten und wollen einen neuen Partner. Gibt es bei uns dann einen Gutschein für jeden Geschiedenen? Da geraten Sie natürlich in ethische Probleme. Aber: Das ist das Leben!

Wie stellen Sie sich den typischen Kaufhof-Kunden vor?

Wir haben es geschafft, durch das Galeria-Konzept den Anschluss zu finden an höherwertige Häuser. Jetzt bringen wir das Sortiment peu à peu ein wenig nach oben, ohne die Mitte zu vernachlässigen. Ganz unten geben wir auf, das 2-Euro-T-Shirt ist die Domäne von Discountern. Was wir wollen, ist eine homogene Kundschaft, mit einem Einkommen ab 2000 Euro, konzentriert auf die Familie mit Kindern. Wohl wissend, dass wir unseren Fokus auf die Frau legen.

„Das Warenhaus muss weiblicher werden“

Und die andere Hälfte?

Wir Männer sind nicht so wichtig. Der Mann kommt in die Herrenabteilung und sagt: Ich will das, was auf der Schaufensterpuppe ist. Wehe, Sie versuchen, ihm etwas anderes anzubieten. Das Warenhaus muss weiblicher werden, denn die Frau ist der Einkäufer. 70 Prozent kaufen entweder für ihre Kinder oder ihre Männer die Unterwäsche. Wo sind wir Männer hier denn selbstständig?

Welche Qualitäten braucht denn ein guter Kaufhaus-Manager?

Heute folgen Ihnen Menschen nur noch, wenn Sie ihnen menschlich und sozial auf Augenhöhe begegnen. Früher kam hier ein Vorstand herein, und auf der Rolltreppe musste jemand mit Handschuhen hinter ihm hereilen, um den Mantel aufzufangen, wenn er ihn von sich warf. Heute müssen Sie Primus inter Pares sein, einer unter vielen, aber trotzdem die Hose anhaben.

Hatte Nicolas Berggruen, der Investor, der Karstadt retten wollte, dazu die richtigen Eigenschaften?

Ich weiß es nicht. Herr Berggruen ist kein Händler, er war ja auch nie im Aufsichtsrat oder im Vorstand von Karstadt. Mit dem Geschäft an sich hatte er nie etwas zu tun. Er hatte ein Management, auf das er gesetzt hat. Er hat etwas erworben, von dem er dachte, er könne es von Dritten entwickeln lassen. Und das ist nicht gelungen. Es wäre auch nicht fair, die Ursachen bei den Mitarbeitern zu suchen. Der Fisch stinkt immer vom Kopfe her.

Auch nach dem Wechsel bei Karstadt empfehlen viele wieder die große Fusion: Nur eine Deutsche Warenhaus AG könnte überleben. Hätten Sie Interesse?

Wir haben keinen Kontakt zu Karstadt. Für uns ist nicht entscheidend, wer da am Ruder sitzt. Verlassen wir den Bereich der Spekulationen. Über so eine Warenhaus AG wird seit Jahren geschrieben. Es ist nie etwas passiert. Bleiben wir also entspannt. Sie werden dazu von uns oder unseren Gesellschaftern nichts anderes hören als: Wir optimieren unser eigenes Geschäftsmodell. Ausrufezeichen. Karstadt ist ein Wettbewerber, aber Kaufhof hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.