InterviewGesamtkunstwerk Kaufhof

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Kaufhof Aufsichtsratschef Lovro Mandac
Lovro Mandac, 64, führte 20 Jahre lang den Vorstand, im Oktober wechselte er an die Aufsichtsratsspitze – Foto: Thomas Rabsch

Und wie wollen Sie jetzt den Siegeszug der Onliner kontern?

Wir haben viel investiert und den stationären mit dem Onlinehandel längst verzahnt. Als Kunde können Sie hier in der Filiale alles machen: Was Sie bei uns im Netz gekauft haben, können Sie hier abholen, „Click & Collect“, umtauschen, ganz zurückgeben mit Geld zurück – was immer Sie wollen. Oder Sie können auf Tablets Ihre Waren bestellen. Es wird angenommen, weil es bequem ist. Im Dezember hatten wir bundesweit 20.000 Pakete, die Kunden sich in die Filialen liefern ließen.

Trotzdem laufen Sie, wie ein Großteil des traditionellen Handels, dem E-Commerce weit hinterher. Im Ausland läuft das besser.

Wir machen im Netz knapp vier Prozent unseres Gesamtumsatzes und wachsen mit hoher Geschwindigkeit, in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent. Das geht ruckzuck. Unser Ziel sind erst einmal 300 Mio. Euro, dann gehören wir in unserem Bereich schon zu den relevanten Playern in Deutschland. Das ist machbar. Am Wochenende sind die Auftragseingänge durch das Couchsurfing am allerhöchsten. Das zeigt aber natürlich auch den Wettbewerbsnachteil der innerstädtischen Häuser: Diese Filiale ist zu, und das Netz ist auf. Ich verstehe nicht, warum Online vom Gesetzgeber so geschützt wird. Wenn ich nicht aufmachen darf, warum dürfen dann Zalando oder Amazon am Sonntag arbeiten?

Sie können das Netz doch schlecht abschalten.

Ich verlange nur, dass dieser Laden hier auch aufhaben kann. Ganz einfach: Wettbewerbsgleichheit. Wenn wir vors Verfassungsgericht zögen, bekämen wir in dieser Sache heute Recht. Ich glaube, auch die Politik versteht, worüber wir reden. Wenn nichts geschieht, dann werden eben mehr Arbeitsplätze aus dem Einzelhandelstarif der Innenstadt in den Logistiktarif der Außenstadt verlagert. So einfach ist das.

Wollen Sie damit den SPD-Wirtschaftsminister beeindrucken?

Sigmar Gabriel startet ein Projekt gegen die Verödung der Innenstädte. Da brauchen wir mit dem Handel ein offenes Gespräch über Wettbewerbsgleichheit. Zumindest Anfänge für die Sonntagsöffnung. Verkaufsoffene Sonntage sind familienfreundlich, sie bringen Gewerbesteuer und Einnahmen für die Vermieter, die auch wieder Steuern zahlen. Wenn wir Einzelhändler rausgehen, weil das Netz uns nicht mehr erlaubt, hier zu arbeiten, dann können Sie die Innenstädte zumachen.

„Wir brauchen ein tiefes Wissen über unsere Kunden“

Sie übertreiben, selbst hier im katholischen Köln dürfen Sie doch an ausgewählten Sonntagen öffnen.

Ich verstehe nicht, warum die Kirche in der Frage so viel Einfluss auf unser öffentliches Leben hat. Wir sind ein säkularer Staat. Im Mittelalter war es doch so: Erst gehst du in die Kirche, dann in die Kneipe und danach einkaufen. Kein Mensch hat sich daran gestört.

Machen wir einen großen Schritt in die Zukunft: Gibt es im Jahr 2030 nur noch die großen Premium-Warenhäuser in Großstädten?

Natürlich bin ich fest von der Zukunft der Warenhäuser überzeugt. Aber 2030? Im Handel können Sie so weit nicht voraussehen. Wenn Sie über 2018 reden, haben Sie schon Schwierigkeiten, in die Glaskugel zu schauen. Was mache ich denn, wenn alle 80-Jährigen plötzlich mit dem Tablet durch die Gegend laufen und nur noch online kaufen? Werden die das tun? Ich kann nicht beschwören, dass sie es nicht tun. Oder: Was machen wir auf dem Land? Ich rede nicht nur über Lebensmittel. Es gibt Textilhändler, die sich online auf ländliche Gebiete spezialisieren: vom Feinsten das Beste. Ich glaube, dass sich die Welt des Handels noch nie so schnell verändert hat wie zurzeit.

Und was ist Ihre Antwort – ohne den Datenschatz von Zalando?

Wir haben eigene Kundendaten. Jährlich kaufen sieben Millionen Payback-Kunden bei uns ein. Wir brauchen ein tiefes Wissen über unsere Kunden. Und wir haben daraus die Verpflichtung, uns entsprechend zu verändern. Nehmen wir die Menschen, wie sie sind. Ich gehe immer gerne raus auf die Straße und gucke: Wie sehen die Leute aus, die hier reingehen? Was machen sie? Aus welchen Einkommensschichten und von woher kommen sie? Welche Widrigkeiten haben sie, in die Stadt zu kommen? Oder ich beobachte: Wie werden sie bedient?