FinanzevolutionGeneration Y - kaum Interesse an Fintechs

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Misstrauen gegen Robo-Advisor

Insgesamt interessierte sich meine nicht repräsentative Stichprobe weder für Robo-Advise, Peer-2-Peer-Zahlungen oder Crowdinvesting. Von Bitcoin und vom Bezahlen per Smartphone haben sie zwar gehört, es aber noch nicht ausprobiert. Hier werden die Barzahlung beziehungsweise die Zahlung per Karte bevorzugt. Man sieht keinen großen Bedarf, sich mit Finanzdienstleistungen zu befassen und glaubt auch nicht durch 0,5 Prozent mehr Zinsen über internationale Termingeldplattformen zu großen Reichtümern zu gelangen. Ein Tagesgeldkonto bei der Hausbank reiche.

Es sieht so aus, als würden viele Fintechs derzeit Leistungen anbieten, die noch nicht den Zeitgeist der Generation Y treffen. Das gilt freilich auch für die Banken. Diejenigen, die Kunden bei Volksbanken oder Sparkassen sind, haben aber wenig Verständnis dafür, dass in Geschäftsstellen außerhalb des Einzugsgebietes der Banken bestimmte Leistungen nicht abrufbar sind. Die regionale Begrenzung von Banken wird als überholt angesehen. Das ist freilich kein neuer Befund.

Selbst bei einer verstärkten Digitalisierung erwarten die Berufseinsteiger für besondere Dienstleistungen weiter menschliche Berater. Robotern wird die Kompetenz noch nicht zugetraut, außerdem könnten diese keine Verantwortung für Fehler übernehmen. Auch wenn es etwas abgedroschen klingen mag, aber das Vertrauen in die Marke scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Die meisten der neuen Dienstleister sind nicht bekannt. Die Weiterverbreitung genutzter Dienste über die eigenen Kommunikationskanäle scheitert daran, dass in den Peer-Groups der „Digital Natives“ so gut wie gar nicht über Finanzthemen gesprochen wird.

Vielleicht ist die Generation Y gar nicht so digital

Viele Autoren sehen durch Digitalisierung und Robotisierung eine radikale Veränderung der Arbeitswelt. Große Furcht vor diesen Veränderungen haben meine Gesprächspartner nicht. Tatsächlich arbeiten viele Unternehmen und Behörden in der Praxis längst nicht so modern, wie viele Zukunftsstudien vermitteln. In der Realität hinken viele Firmen dem technisch Machbaren deutlich hinterher. Hier wäre man froh, wenn die eigenen Arbeitgeber mehr modernisieren würden.

Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Yougov fühlen sich drei von vier Befragten der Generation Y durch die zunehmende Digitalisierung immer mehr gestresst und fast genauso viele fürchten um ihre Privatsphäre. Natürlich haben alle meine Gesprächspartner ein Smartphone und nutzen dieses intensiv. Datenschutz spielt hier tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Themen wie informationelle Selbstbestimmung oder Datenmissbrauch, die meine Generation noch intensiv beschäftigt hatte, spielen heute keine Rolle in der Gedankenwelt der Generation Y. So ist auch die Weitergabe von Daten von Whatsapp an Facebook kein Aufreger. Niemand, mit dem ich gesprochen habe, will deswegen auf alternative Messenger ausweichen.

Vielleicht ist also die Generation Y gar nicht so digital, wie das manche vermutet haben, zumindest in Bezug auf Finanzdienstleistungen scheint sich das für Deutschland zu bestätigen. Die jüngere Generation richtet ihr Verhalten eher an den eigenen Peer-Groups aus. Und wie bei der Elterngeneration scheint hier zu gelten: “Über Geld spricht man nicht.” Die neuen Finanzdienstleistungen scheinen derzeit vor allem bei den Kunden präsent zu sein, die selbst im Finanzsektor oder für Fintechs arbeiten. Und übrigens hatten die jugendlichen Mitglieder meiner Familie weniger Furcht vor nicht funktionierender WLAN-Verbindung als ich. Sie wären auch gut eine Woche ohne Netz ausgekommen.