KolumnePlädoyer gegen das Dagegen

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Stillstand heißt sterben

Die Globalisierung abzulehnen bedeutet Stillstand. Stillstand heißt sterben. Anstatt ihre Energie in gewaltsame Proteste zu stecken, möchte ich den wenig friedlichen Demonstranten in Hamburg daher zurufen: Verschleudern Sie Ihre Energie nicht darauf, dagegen zu sein! Nutzen Sie diese Energie, um sie in eine positive Wirkung zu transformieren, anstatt in Zerstörung und Wut.

Wir können um Deutschland keine Mauer bauen und alle externen Einflüsse draußen halten. Das hat die Geschichte hinreichend bewiesen. Stattdessen ist die Frage doch: Wie können wir die globalisierte Entwicklung verantwortungsvoll leben und gestalten?

Ich selbst sehe mich als Gestalter in der Globalisierung. Dabei bin ich nicht einmal ein Freund der Globalisierung, aber ich akzeptiere und respektiere sie. Weil ich die Verantwortung für das große Ganze zunächst bei mir sehe. Weil ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, nicht ohnmächtig dagegen zu sein, sondern selbstverantwortlich für Dinge einzustehen, die mir wichtig sind. Denn ich bin überzeugt, dass ich einen Beitrag leisten kann – wenn auch nur im Kleinen. Es ist dieses Kleine, das in großen Bewegungen resultieren kann, wenn Sie genug Menschen mit in die Verantwortung nehmen. Nicht umsonst folgen beispielsweise der pro-europäischen Bewegung „Pulse of Europe“ mittlerweile etliche Anhänger und Unterstützer – weil sie explizit für eine Sache steht. Das zeigt eindrücklich ihr Manifest, das mir aus dem Herzen spricht:

„Jetzt ist die Zeit, sich einzubringen und aktiv zu werden – nicht gegen, sondern für etwas. Es ist nicht die Zeit der Proteste. Es ist Zeit, für die Grundlagen unserer Wertegemeinschaft im positiven Sinne einzustehen.“

Im Vergleich zu dieser proaktiven Haltung sind gewaltsame Proteste für mich reine Egomanie unter dem Deckmantel, etwas bewirken zu wollen.

Gestalter in der Globalisierung

In einem Land, in dem die Globalisierung nicht mehr wegzudenken ist, wünsche ich mir daher mehr Selbstverantwortung jedes Einzelnen. Nie standen uns so viele Möglichkeiten offen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Nie zuvor standen jedermann so viele Informationen zur Verfügung wie heute – Tesla, Google oder Airbnb wären in einer nicht globalisierten Welt undenkbar.

Deshalb muss ich den radikalen Demonstranten in Hamburg ein Stück weit recht geben: Ja, die Globalisierung hat mit Profit und Macht zu tun. Doch sie bewirkt eben auch, dass es heute nicht mehr nur die Typen mit Geld an den Zenit des Erfolgs schaffen. Sondern vor allem auch die mit Innovationskraft und Ideen. Weil sie Nutzen stiften und für etwas einstehen.


Torsten Osthus ist Unternehmer und Autor. Sein Appell: Mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Wie das gelingen kann, beschreibt er in seinem Buch „Chefsache Empowerment“. Hier können Sie ihm auf Twitter folgenTorsten Osthus ist Unternehmer und Autor. Sein Appell: Mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Wie das gelingen kann, beschreibt er in seinem Buch „Chefsache Empowerment“. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen