GastkommentarFrische Impulse für die Energiewende

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Bürokratie statt Innovation

Selbst beim Ausbau der erneuerbaren Energien hat Deutschland nach einem ambitionierten Start nicht mehr viel zu bieten: Der Ausbau der Windenergie läuft scheinbar flott, was aber wohl vor allem an Nach- und Vorzieheffekten lag: Nachzieheffekte, weil einige Bundesländer im Zwischenspurt doch noch ihre Ausbauziele erreichen wollen, und Vorzieheffekte, weil die Branche erhebliche Einschnitte durch die neuen Reformen in der Förderung erwartet. Einmaleffekte statt Trend.

Im Ausbau der Solarenergie geht uns deutlich die Puste aus. Die politisch verordnete „Atempause“ ist eher ein Abwürgen durch zu harte Einschnitte in der Förderung und die Belastung des eigen erzeugtem Stroms aus erneuerbaren Energien. Deutschland wird mehr als verspätet über die Ziellinie gehen, wenn tatsächlich künftig der aus erneuerbaren Energien erzeugte Strom nicht mehr fest vergütet wird, sondern Solar-Projekte ausgeschrieben werden. Bürokratie statt Innovation. Investoren aller Art werden die erheblichen Unsicherkeiten scheuen; im Zweifel werden die Unsicherheiten finanzseitig eingepreist. Niedrigere Strompreise wird man so kaum erwarten dürfen.

Wichtigste Aufgabe der Energiewende ist, das Stromsystem grundlegend umzubauen – hin zu mehr Dezentralität, Flexibilität und Dynamik, inklusive intelligenter Netze, einer optimalen Steuerung von Angebot und Nachfrage und mittelfristig mehr Speicher. Sicher, derlei erfordert eine gewisse Komplexität im Denken und Planen. Der bislang oligopolistisch zentralistisch geführte Energiemarkt muss sich für eine Vielzahl von Mitspielern öffnen. Vorausschauende und aktive Bürgerbeteiligung ist deswegen ein wesentlicher Motor der Energiewende.

Chancen der Energiewende sind enorm

In diesem Sinne mustergültig zeigte sich kürzlich Bayern. Im Energiedialog kamen unterschiedlichste Interessenvertreter, Bürger, Wissenschaftlicher und Politker zusammen und zu einem klaren Ergebnis: Bayern muss zügig zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten aufbauen, durch erneuerbare Energien, Pumpspeicherkraftqwerke und Gaskraftwerke – dezentraler, intelligenter, dynamischer und flexibler. Je mehr eigene Kapazitäten und auch Speicher hinzugebaut werden, desto weniger Stromtrassen werden benötigt. Dagegen hatten sich zahlreiche besorgte Bürger gewehrt. Der Widerstand gegen die Energiewende wird sinken, wenn die befürchteten Folgen (großflächige Zerstörung von Landschaften) gar nicht eintreten.

Klar ist: Die Energiewende wird vor Ort umgesetzt, durch kleinere und mittelständische Unternehmen, durch Bürgerenergiegenossenschaften und engagierten kommunale Wirtschaftverteter und Politiker. Die lokale Energiewende schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Sie spart nicht nur Kosten der Importe fossiler Energien. Sie schafft vor allem wirtschaftliche Chancen durch Innovationen und verbesserter Energieeffizienz. Die Chancen der Energiewende sind nach wie vor enorm.

Bayern wird die Energiewende nicht im Alleingang allein stemmen. Aber vielleicht bringt das starke Bundesland endlich die dringend notwendigen Innovationen zur Anwendung. Es wäre manche Schlagzeile wert, wenn ausgerechnet der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer dafür sorgt, dass alte ineffiziente Kohlekraftwerke das deutsche Stromsystem und die Klimabilanz nicht länger belasten. Ein Hoffnungsschimmer!

Ansonsten dürfte es peinlich werden, wenn auf der internationalen Klimakonferenz dieses Jahr ausgerechnet Deutschland weder Erfolge in der Klimaschutzbilanz noch bei der konsequenten Bewältigung der Energiewende vorweisen kann.