FinanzevolutionFirmen finanzieren sich lieber untereinander

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B2B-Finanzierungen sind attraktiver

Unternehmen finanzieren sich danach in einem Volumen von 1,14 Billionen Euro primär untereinander. Die Bedeutung der Bankenfinanzierung hat weiter deutlich abgenommen. Da die Auswertung auf Bilanzdaten beruht, liegen für 2014 noch keine Daten vor. Aktuelle Daten der Bundesbank über die Kreditvergabe zeigen, dass 2014 das Volumen der Bankkredite gestiegen ist, dennoch bleibt es beim Trend hin zu einer bankunabhängigeren Finanzierung.

Ich hatte im vergangenen Jahr in meiner Kolumne Der heimlichen Umbruch der Unternehmensfinanzierung” bereits darauf hingewiesen, dass Unternehmen längst die B2B-Finanzierung entdeckt haben. Über Finanzierungslinien binden sie Kunden besser an sich und fördern den Absatz. Kredite von Lieferanten und verbundenen Unternehmen sind deutlich unkomplizierter in der Abwicklung und mit wenigen Formalitäten beladen. Betriebswirtschaftlich haben sie für Unternehmen aber die gleiche Cash-Relevanz wie ein Bankkredit. Gemanagt wird das über ein immer professionelleres Kreditmanagement, das die Kreditwürdigkeit analysiert, Sicherheiten verlangt und sogar risikoabhängige Konditionen festgelegt.

Weil diese B2B-Finanzierungen längst nicht immer zinslos erfolgen, bieten sich hier besser verzinste Alternativen als zu Bankeinlagen, für die einige Institute sogar negative Zinsen berechnen. Die Risiken für Kredite an verbundene Unternehmen oder Kunden mögen auf dem Papier höher sein, sie sind aber durch die enge Verbindung gut kalkulierbar.

Eigene Finanzdienstleister entstehen

Die Bundesbank selbst stellte bereits 2012 in einer Untersuchung der Handelskredite fest, dass durch den Liquiditätsausgleich innerhalb des Unternehmenssektors die dabei entstehenden Handelskreditketten ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Flexibilität und der Stabilität der Unternehmensfinanzierung leisten.

Diese hier skizzierte Entwicklung zeigt, dass Unternehmen abseits technologischer Entwicklungen Intermediationsleistungen der Banken übernommen haben, die wie im Fall der Wuppertaler EDE (ETRIS Bank) oder der Trumpf Gruppe (TRUMPF Financial Services GmbH) sogar eigene Finanzdienstleister hervorbringen können.

Weitere Kolumnen von Dirk Elsner, die er für die inzwischen eingestellte deutsche Ausgabe des „Wall Street Journal“ geschrieben hat, finden Sie auf seiner Übersichtsseite