FinanzevolutionDie Macht der Neukombination

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Verbesserung von Dienstleistungen

Ein anderes Beispiel für die Neukombination bestehender Dienste bietet das höchst sensible Thema der Authentifizierung beziehungsweise Legitimation von Kontoinhabern. So ersetzen etwa die Start-ups IDnow und WebID Solutions das zu hohen Abbruchzahlen führende Postident-Verfahren durch Videochats. Dazu verbindet sich ein Kunde, der sich zum Beispiel für einen Kontoeröffnung persönlich legitimieren muss, mit einem Servicemitarbeiter und hält seinen Ausweis in die Kamera seines PCs oder Smartphones. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat diese Form der Fernidentifizierung mittels Videoübertragung Anfang 2014 genehmigt (siehe Rundschreiben 1/2014). Danach seien die Anforderungen des Geldwäschegesetzes auch dann erfüllt, wenn der Antragsteller und der Mitarbeiter der Bank beziehungsweise ein beauftragter Dritter mit dem Kunden audiovisuell kommuniziert.

Im Buch „Second Machine Age“ spielt aber nicht nur die Neukombination bestehender Technologien, aus denen sich theoretisch unendlich viele Innovationen denken lassen, eine Rolle, sondern auch die sukzessiven Verbesserungen von Dienstleistungen. Ein Beispiel aus Neukombination und die weitere Verbesserung der gerade genannten Legitimationsverfahren liefert das Darmstädter Start-up Authada. Dieses Spin-Off des Fachbereichs Informatik der Hochschule Darmstadt hat eine Technologie entwickelt, die sich in andere Anwendungen und Apps einbinden lässt, und die elektronische Identität (eID) aus dem Personalausweis über die NFC-Schnittstelle eines Smartphones auslesen kann. Damit, so erläuterte es Mitgründer Jörg Jessen in einem persönlichen Gespräch, ist die Verifikation der Kundenidentität innerhalb weniger Sekunden möglich.

Wenn das Verfahren tatsächlich so funktioniert, wie Jessen es darstellt, dann steht damit die digitale Legitimation erneut vor einem Quantensprung. Benötigt werden dann für die Legitimierung nur noch der neue Personalausweis mit der Onlinefunktion, den die meisten Menschen ohnehin bei sich tragen, und die PIN-Nummer des Ausweises, die viele allerdings wegen der bisher fehlenden Nutzungsmöglichkeiten nicht kennen dürften. Das könnte sich künftig mit dieser Technologie im Zusammenspiel mit einem NFC-fähigen Smartphone ändern. Der Anreiz nämlich, diese Funktion zu nutzen und sich künftig nur die sechsstellige (übrigens selbst änderbare PIN) zu merken, ist hoch, weil sie im Idealfall alle anderen PINs und TANs ersetzen kann.

Macht der Innovation durch Neukombination

Wir sehen hier also auch an diesem Beispiel, wie bestehende Technologien und Services, hier also der Personalausweis mit Onlinefunktionen, die NFC-Technologie und das Smartphone für Fortschritt sorgen können. Dazu passt abschließend ein Zitat von Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee aus „The Second Machine Age“:

“Alle, die an die Macht der Innovation durch Neukombination glauben, sind überzeugt, dass diese Entwicklung die Menschheit voranbringen wird. Wir können nicht genau vorhersagen, welche neuen Erkenntnisse, Produkte und Lösungen wir in den kommenden Jahren entdecken, doch wir sind ausgesprochen zuversichtlich, dass sie sehr eindrucksvoll sein werden. Das zweite Maschinenzeitalter wird sich durch unzählige Beispiele für maschinelle Intelligenz und Milliarden vernetzter Gehirne auszeichnen, die zusammenarbeiten, um unsere Welt besser zu verstehen und zu optimieren. Was bisher war, wird sich dagegen geradezu lächerlich ausnehmen.”