FinanzevolutionFintechs stoßen auf Konto‑Markt vor

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Ökosystem mit verschiedenen Diensten

In einem Gespräch mit dem Journalisten Karsten Seibel, der Number26 jüngst in einem ausführlichen Artikel vorgestellt hat, kündigte Mitgründer Valentin Stalf an, dass Kunden über ihre Number26-App bald Auslandsüberweisungen via Transferwise durchführen können. Transferwise wiederum ist ein britisches Fintech, über das günstig Auslandsüberweisungen abgewickelt werden können. Solche Kooperationen zwischen Fintechs sind hochinteressant, denn so können Ein-Produktunternehmen unter einer Oberfläche zu einem Ökosystem mit verschiedenen Leistungen zusammenwachsen. Allerdings steigern diese Auslagerungen auch die Empfindlichkeit gegen Störungen. Und tatsächlich zeigen jüngste Erkenntnisse um die einfache Auslesbarkeit von Transaktionsdaten von Mastercard-Karten, die auch von Number26 herausgegeben werden, dass Start-ups mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben, wie die klassische Finanzwelt.

Während sich also Number26 schrittweise ein eigenes Ökosystem aufbaut und laut dem Artikel von Seibel sogar eine Vollbanklizenz anstrebt, gehen Banken andere Wege. So präsentiert sich die Erste Bank in Österreich ebenfalls modern mit ihrem Konto, das sie „George“ nennt. Allein mit der Namensgebung für ein Kontoprodukt sorgte das Institut bereits für Aufmerksamkeit.

Der Anspruch ist, Finanzdienstleistungen schneller und unkomplizierter zu präsentieren. Die Vision und Philosophie von „George“ sei, so erklärte das it-finanzmagazin, „dass die Grundfunktionen des Online-Bankings erhalten bleiben. Dazu kommen zahlreiche Funktionen, die Banking zu einem transparenten und intuitiven Erlebnis machen.“ Dazu schaut man sich auch Funktionen anderer Online-Größen ab. So erhalten Kunden etwa Textvorschläge, ähnlich der Autovervollständigung bei Google, bei der Erfassung von Daten oder können ihr Konto wie per Internetsuche durchsuchen.

Fehler gehören zur Evolution

In einem Gespräch mit dem Futurezone feiert Boris Marte das erst Jahr:

“Aktuell haben bereits über 500.000 Kunden George verwendet. Damit liegen wir schon fast bei der Zahl der 780.000 Erste- und Sparkassen-User, die bisher Netbanking verwendeten. Jeder Fünfte hat zumindest ein Plug-in aus dem George-Store installiert, wovon zumindest 10.000 Plug-ins auch kostenpflichtig waren.”

Ob sich der Businesscase von “George” rechnen wird, lässt Marte freilich offen. Und auch „George“ bekommt von Usern Kritik ab, die man etwa im Playstore für die Android App nachlesen kann. Dort bemängelt ein Kunde, dass nicht alle im Browser nutzbaren Funktionen für die Android App verfügbar sind.

Es wäre freilich überraschend, wenn ein Anbieter mit allen Leistungen alles „richtig“ machen würde. Das Netz ist bekanntlich sehr kritisch und neigt zur kollektiven Besserwisserei. Und zur Evolution gehört es, viel auszuprobieren und dabei Fehler machen zu dürfen. Und wie schnelllebig sogar das Fintech-Zeitalter ist, wird etwa am Nachweis der Personenidentität sichtbar. Number26 bietet hier das klassische Postidentverfahren und die modernere Variante über Videotelefonie durch den Dienstleister IDnow. Am Markt werden aber bereits Lösungen gezeigt, die die Identifizierung per Video alt ausschauen lassen. Dazu aber mehr in einer anderen Kolumne.

Die Beispiele Number26 und George zeigen interessante Zwischenstufen der längst nicht abgeschlossenen Evoution hin zu modernen Varianten der Kontenführung.