DigitalisierungFintechs gegen Banken: Der digitale Kampf ums Geld

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Der erste Fehler

Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – dieser eigentlich guten Vo­raus­set­zun­gen machten sie bei der Digitalisierung viele Fehler. Die Geldinstitute reagierten spät, viele sogar erst im Jahr 2015.

Damals begann die Europäische Zentralbank, im großen Stil Anleihen zu kaufen, und die Hoffnung auf bald steigende Zinsen löste sich in Luft auf. Selbstbewusst dachten deutsche Großbanken damals aber: Was die Fintechs können, können wir auch.

Also verkündete zum Beispiel der damalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan im Oktober 2015 vollmundig den Aufbau einer eigenen Digitalbank, Investitionsvolumen: 1 Mrd. Euro.

Die Commerzbank wiederum plante sogar eine europäische Onlinebank, Name „Projekt Copernicus“. Die Namenswahl war treffend: Wie der Astronom mussten die In­stitute erst lernen, dass sich die Welt nicht länger um sie dreht.

Aus all den wohlklingenden und teuren Projekten wurde: nichts. Die Deutsche Bank beerdigte ihre Digitalbankpläne im Frühjahr, die Commerzbank in diesem Herbst.

Auch das Vorzeigeprojekt von Volksbanken und Sparkassen, das Onlinebezahlverfahren Paydirekt, mutet recht kümmerlich an: Zwar haben sich 2,1 Millionen Kunden registriert, aber abgewickelt werden pro Monat gerade mal 40 000 Geldtransfers, berichtete unlängst das Branchenblog „Finanz-Szene“. Konkurrent Paypal komme dagegen pro Monat auf mehr als 30 Millionen Transaktionen nur in Deutschland.

Den Banken fehlt das Geld

Das Kernproblem der Banken heute: Ihnen fehlen schlicht die Mittel, um in den digitalen Wandel zu investieren, da ihr Kerngeschäft zerbröselt: Verdienten sie im deutschen Privatkundengeschäft 2011 noch knapp 9 Mrd. Euro, waren es 2017 nur noch 2,3 Mrd. Euro Gewinn.

Ohne weitere Einsparungen „dürfte das Ergebnis im deutschen Privatkundengeschäft in den nächsten fünf Jahren auf fast 6 Mrd. Euro Verlust pro Jahr sinken“, prophezeit Ulrich Hoyer, Partner bei der Unternehmensberatung ZEB.

Angesichts der Flaute im Kerngeschäft muten die zahlreichen Digitalisierungsreden deutscher Bankmanager heute wie Ablenkungsmanöver an – sie sind leicht zu durchschauen: „Was die Banken als Investition in die Zukunft verkaufen, sind in Wahrheit Kosten, um die sie nicht herumkommen, um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben, weil jede Bank digitaler werden will und muss“, sagt etwa Thomas Meier, Manager der Frankfurter Fondsboutique Mainfirst.

Auch mit der App Yunar, die die Deutsche Bank Anfang November mit viel Bohei vorstellte, ist das Institut spät dran. In der Anwendung können Kunden ihre Treuekarten bündeln. Sie soll, bei guter Resonanz, auch noch eine mobile Bezahlfunktion erhalten. Es ist ein letzter Versuch, im Getümmel an der Kundenfront noch einen Punkt zu machen.

Denn die Degradierung zum Zulieferer gehört zu den schlimmsten Albträumen der Banker. „Entweder wir werden ein ziemlich austauschbarer Anbieter von Finanzprodukten, die auf großen Plattformen verkauft werden – einer von vielen Zulieferern in einem großen digitalen Supermarkt“, warnte Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing im Sommer. „Oder wir wollen diejenigen sein, die das Regal gestalten, weil wir wissen, was die Kunden wollen.“