DigitalisierungFintechs gegen Banken: Der digitale Kampf ums Geld

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Kooperation statt Kampf

Als im Juni 2014 um die hundert junge Frauen und Männer bis auf die Unterwäsche entkleidet durch den Londoner Finanzdistrikt zogen, war das eine typische PR-Aktion von Transferwise. Zwei Esten hatten das Fintech 2011 gegründet, um Überweisungen ins Ausland günstiger zu machen.

„Totale Transparenz“ bei den Kosten sollte die Aktion symbolisieren – im Unterschied zur Praxis der Banken, die Gebühren im Kleingedruckten zu verstecken. Bis heute lautet das Transferwise-Motto „Bye bye Banken“. Ansonsten schlägt man bei dem Unternehmen, inzwischen 1,6 Mrd. Dollar wert und 1 300 Mitarbeiter stark, aber freundlichere Töne an. Er sehe bei Banken „einige positive Veränderungen“, sagt CEO Kristo Käärmann diplomatisch, „die Kooperationslust steigt“.

Die neue Tonlage ist typisch: Erst riefen Start-ups die Fintech-Revolution aus, das Ende der Banken. Inzwischen gibt man sich konzilianter. Statt auf Konfrontation setzen viele auf Kooperation mit dem einstigen Gegner. Die schnelle Machtübernahme ist gescheitert.

Das hat weniger mit verlorenem Ehrgeiz zu tun als mit Pragmatismus. Viele Fintechs haben es sich in ihrer Nische bequem gemacht, zum großen Angriff auf die Banken haben sie weder Lust, noch sehen sie die Notwendigkeit.

„Wir müssen keine Bank sein, um unsere Mission zu erfüllen“, sagt Käärmann, „wir streben auch keine Diversifizierung in andere Bankbereiche wie beispielsweise Kreditvergabe an.“ Ein Insider aus seinem Umfeld sagt es noch pointierter: „Den Hustle, Universalbank zu sein, will sich hier keiner antun.“

Stattdessen haben viele Fintechs etablierte Geldhäuser selbst als lukrative Kunden entdeckt und sind in ihren Nischen dennoch zu relevanten Playern geworden. Und die Gründungsaktivität ist ungebrochen – 700 Fintechs zählt ein Report der Deutschen Bank in Deutschland, im Durchschnitt wuchs ihre Zahl im letzten Jahrzehnt um ein Drittel jährlich.

„Der Elefant wird in Scheiben gegessen“

Vielleicht ist es auch zu früh, um über den Erfolg der Fintech-Revolution zu urteilen. „Der Elefant“, sagt Valentin Stalf, „wird in Scheiben gegessen.“ Stalf hat 2013 N26 gegründet, eine sogenannte Neobank, also ein Fintech, das es sich durchaus zutraut, den Kern des Bankengeschäftsmodells anzugreifen, mit Konten, Karten und allem, was dazugehört.

In Europa hat N26 heute 1,5 Millionen Kunden, das ist ansehnlich, andererseits verzögern sich wichtige Expansionsschritte wie der seit Langem angekündigte Sprung in die USA ständig. Bankdienstleistungen sind eben keine Schuhe, die man schnell statt im Laden im Netz kauft.

Eine neue Finanzmarke muss Vertrauen erst aufbauen, das ist mühselig. 2015 beantragte Stalf eine Banklizenz, keine einfache Sache für ein Start-up mit damals 20 Mitarbeitern: Über 1 000 Seiten war der Antrag dick, gut ein Jahr musste sich das Fintech gedulden, bis dieser positiv beschieden war.

Ende 2016 begann N26, seine Kunden auf ein eigenes Kernbanksystem umzuziehen, doch technische Probleme und ein überforderter Kundenservice sorgten wochenlang für einen Shitstorm.

An einigen Stellen sind die traditionellen Banken noch im Vorteil, die Seriosität, die die meisten ausstrahlen, gehört dazu; auch das Know-how für die nötige Regulierung; vor allem aber – noch – der vorhandene Kundenstamm.