Capital-History

History-SerieWie der Zündholzkönig Ivar Kreuger die ganze Welt täuschte

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Fehlende Transparenz

Das Zündholzmonopol hatte in der Bundesrepubik bis 1983 Bestand
Das Zündholzmonopol hatte in der Bundesrepubik bis 1983 Bestand – Foto: Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Zwar verdiente der „Match King“ mit den Zündhölzern tatsächlich Geld. Aber eben nicht genug. Die zweistellige Dividende konnte er seinen Aktionären nur zahlen, indem er das frisch eingesammelte US-Kapital gleich wieder ausschüttete – das klassische Muster eines Schneeballsystems. Seine Deals konnten nur aufgehen, wenn stets ein noch größerer Deal folgte. Und wenn am Ende vielleicht einmal das Weltmonopol für Zündhölzer stehen würde.

Das funktionierte über fast zehn Jahre, weil Kreuger Geldgebern und Wirtschaftsprüfern sorgfältig den genauen Einblick in die Geschäfte verwehrte. Strenge Wertpapiergesetze und Publizitätsvorschriften erlassen die USA erst 1933/34 – nach dem Kreuger-Skandal. In den Roaring Twenties nahmen es viele Unternehmen mit ihren Zahlenveröffentlichungen nicht so genau.

Ivar Kreuger war ein Perfektionist der Vertuschung und der Schachtelkonstruktionen. Etwa 400 Firmen gehörten am Ende zu seinem internationalen Beteiligungsgeflecht aus Schubladen- und Briefkasten-unternehmen, leeren Mänteln, Dummys und Gesellschaften, die man 80 Jahre später wohl als special purpose vehicles bezeichnet hätte.

Forderungen und Verbindlichkeiten, Wertpapiere und Cash konnte er in dem Geflecht nach Belieben verschwinden und auftauchen lassen, manchmal aus dem Nichts. Einige der wichtigeren Einheiten hatten zwar auf dem Papier eigene Chefs. Doch die waren Strohmänner und Handlanger, teils erpressbare Gestalten, die sich beliebig steuern ließen. Der Einzige, der die gesamte Konstruktion kannte, durchblickte und lenken konnte, war Kreuger persönlich. Der gefeierte Zündholz- war in Wahrheit vor allem ein Schachtelkönig.

Geschäftspartner und Geldgeber, aber auch die Wirtschaftsprüfer seiner börsennotierten Gesellschaften wurden zwar hier und dort stutzig. Doch am Ende vertrauten sie alle dem beeindruckenden Schweden. Dass dessen Monopol-Deals hochpolitisch und daher streng vertraulich waren, leuchtete ja jedem ein.

Bloß half die Geheimniskrämerei allein nichts mehr, als in der Krise das frische Geld von der Börse nicht mehr so sprudelte. Kreuger brauchte immer ausgefallenere Tricks. Seine Aktionäre und die Staaten, denen er Kredit versprochen hatte, erwarteten Cash. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Kreditzusage an Deutschland hätte Kreuger beinahe schon im Frühjahr 1931 ruiniert. Wie vereinbart hatte Berlin 1930 das Zündwarenmonopol errichtet. Nun sollte die zweite Tranche des Kredits, rund 100 Mio. Dollar, ausgezahlt werden. Kreuger hatte das Geld nicht, und er fand zunächst auch keinen, der ihm inmitten der Krise genug geliehen hätte. Was er sich vorsorglich und klammheimlich beschafft hatte, war allerdings ein Paket italienischer Schatzanweisungen. Oder genauer: ein Paket mit 42 Spezialvordrucken, die exakt so aussahen. Kreuger fabrizierte kurzerhand seine eigenen Italien-Bonds. Und schuf sich damit zusätzliche beleihbare Sicherheiten.