Capital-History

Die großen BetrügerWie Gregor MacGregor eine ganze Nation erfand

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Sicher, die Landverkäufe hatten viel Geld eingebracht. Doch der Cazique hatte es mit vollen Händen wieder ausgegeben: Die Gesandtschaft, die Land Offices, auch die Gassensänger mussten bezahlt werden. Und sein eigener Lebenswandel war ja nun auch nicht ganz billig.

Josefa MacGregor – Frau des Hochstaplers Gregor MacGregor, Cousine des südamerikanischen Revolutionärs Simón Bolívar
Josefa MacGregor – Frau des Hochstaplers Gregor MacGregor, Cousine des südamerikanischen
Revolutionärs Simón Bolívar

Während das Schiff mit Hastie an Bord Kurs auf London nahm, war es Zeit für den Cazique, seinerseits aufzubrechen: Seine Frau sei krank, sie müsse den britischen Winter vermeiden. MacGregor ging nach Paris, wo er seine Familie an den Champs-Élysées einquartierte. Der Cazique tat sich mit ein paar Kaufleuten zusammen. Deren Compagnie de la Nouvelle Neustrie sollte sein Land vermarkten. Er selbst konzentrierte sich – genau: auf eine neue Anleihe. Diesmal wollte er 300.000 Pfund.

Doch in Frankreich funktionierte es nicht wie gehabt. Die Compagnie hatte einen Haufen Abenteurer rekrutiert, die allesamt Pässe für ihre Ausreise nach Poyais beantragten. 30 von ihnen erhielten die Dokumente. Als 30 weitere kamen, wurden die Behörden misstrauisch. Wohin gedachten die Emigranten zu reisen? Nach Poyais? Nie gehört. Das Schiff der Compagnie wurde im Hafen von Le Havre beschlagnahmt. MacGregor floh. Nach drei Monaten im Untergrund fasste ihn die Polizei und brachte ihn ins Gefängnis.

Sein Prozess begann am 6. April 1826. Der Staatsanwalt beschuldigte MacGregor und den Direktor der Compagnie, Monsieur Lehuby, einen großen Betrug ausgeheckt zu haben. Der Cazique trat dem entgegen, wie man es von ihm erwartete: mit Größenwahn. Ein politisches Komplott sei das. Die Anleihe? Habe den Fortschritt seiner Untertanen finanzieren sollen, kein Penny sei für ihn selbst. Mit der Anwerbung von Siedlern habe er nichts zu tun. Das sei Sache Lehubys.

War es seine unerschütterliche Grandezza oder die Kunst seines Anwalts? Nach acht Monaten Untersuchungshaft verließ MacGregor das Gefängnis als freier Mann. Und er blieb es für den Rest seines Lebens.

Ausweg aus dem Elend

Die Miskitoküste in Nicaragua und Honduras aber hat sich bis heute nicht weit entwickelt. Der Black River heißt nun Río Sico, an das Ufer der Lagune schmiegt sich das Dorf Palacios. Das bedeutet „Paläste“, tatsächlich sind es eher Hütten. Laut einem Bericht der honduranischen Zeitung „La Prensa“ vom März 2014 ist der Ort zu einem Knotenpunkt des Drogenschmuggels geworden.

Anders als der Landstrich, den er einst für sich reklamierte, fand der Cazique von Poyais einen Ausweg aus dem Elend. Nach Paris war es erst mal bergab gegangen. Verarmt und verwitwet lebte er in Edinburgh. Doch dann hatte MacGregor noch einmal eine geniale Idee.

War er nicht ein Held der südamerikanischen Befreiungskriege? Hatte er als Generalmajor der Armee von Simón Bolívar nicht Anspruch auf eine Pension? Der damalige Präsident Venezuelas war einer der letzten Kämpen der Revolution und als solcher ein Nostalgiker; er ließ sich von MacGregors Bittbrief erweichen. 1839 traf der Schotte in Caracas ein. Man erkannte ihm seinen militärischen Titel wieder zu, seine Pension – und seinen ausstehenden Lohn.

Am 4. Dezember 1845, kurz vor seinem 59. Geburtstag, starb Gregor MacGregor. Seinen Körper bestatteten die Venezolaner mit militärischen Ehren in der Kathedrale. Seinen Namen meißelten sie in das Denkmal für die Nationalhelden. Dort prangt er bis heute.