ReportageUber vs. Didi - Fast and Furious

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Die Anti-Uber-Allianz

Auch das Kapital für Grabs Expansion kam von einer Reihe namhafter Investoren. Darunter ein prominenter chinesischer Name: Didi.

Das ist die nächste Stufe der Revolution. Außer in Grab haben die Chinesen noch Hunderte Millionen Dollar in zwei weitere Ride-Hailing-Anbieter investiert: Lyft, Ubers schärfsten Konkurrenten in den USA, und Ola, den Platzhirsch in Indien, wohin Uber ebenfalls drängt. Nebenbei haben alle vier einen mächtigen Geldgeber gemein, den japanischen Softbank-Konzern. Ende 2015 haben sie offiziell eine Allianz gegründet.

Ihr Ziel? „Uber ist momentan der Global Player – durch ihre Investitionen und Operationen“, sagt Kramadibrata. „Wir sind jetzt ein Global Player durch unsere Partnerschaft. Der Friedensschluss zwischen Uber und Didi gilt nur für China.“

Infografik: Uber fast gleichauf mit VW | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Um Uber auf dem Weltmarkt das Wasser abzugraben, integrieren Didi, Grab, Ola und Lyft sogar ihre Plattformen. „Sagen wir, ein amerikanischer Lyft-Kunde kommt nach Bali und will ein Taxi rufen“, sagt Kramadibrata. „Er bedient einfach seine gewohnte Lyft-App, und unser Fahrer kommt und holt ihn ab.“

Das Einverständnis der vier Verbündeten sieht vor, dass sie bis auf Weiteres die Finger von den Heimatmärkten der anderen lassen. „Wir sind weltweit die Ersten, die diese Idee hatten“, sagt Kramadibrata. „Es ist ein Game-Changer.“

Die Frage, wo er die Branche in zehn Jahren sieht, erscheint ihm so abwegig, dass er erst nur „Wow“ darauf antwortet. Dann setzt er nach: „Ehrlich, keine Ahnung. Bis dahin wird noch so viel passieren. Das Internet wird ein anderes sein, vielleicht gibt es dann keine Smartphones mehr. Die Automobiltechnologie wird sich verändern, bestimmt auch die Gesetze.“ Er grinst. „Es ist ein sehr interessantes Business. Die Branche ist so jung, da gibt es viel Dynamik.“

Didi gegen alle?

Noch einmal Peking, die Didi­Zentrale. Im Präsidentinnenbüro hat eine Zeitschaltuhr das Aquarium ausgeknipst, draußen ist es stockduster, die Wanduhr zeigt bald neun. Vizepräsident Stephen Zhu ist morgens um halb sieben ins Büro gekommen, jetzt zieht es ihn nach Hause. Doch bevor er aufbricht, wirft auch er noch einen kurzen Blick in die Zukunft.

„Zwei wichtige Punkte. Erstens: Wenn nur dein Geschäftsmodell innovativ ist, kann es leicht kopiert werden. Aber wenn deine Technologie innovativ ist, kannst du sie auf andere Märkte übertragen. Der zweite Punkt betrifft unsere Philosophie. Wir glauben nicht daran, alles zu diktieren, alles selbst zu machen. Wir glauben an Kollaborationen. Wir sind sehr flexibel. Die Zeit kommt, da unsere Technologie anderswo Anwendung finden wird.“

Etwa sechs Millionen Autos fahren auf Pekings Straßen
Etwa sechs Millionen Autos fahren auf Pekings Straßen
© Getty Images

Ein unangenehmer Gedanke für Didis Partner: Was, wenn ihre Allianz ein Verfallsdatum hat? Didi kann jetzt in Ruhe von Grab, Lyft und Ola lernen, Best Practices abschauen, ihre Märkte studieren, sich vortasten. Doch wenn die Chinesen sich bereit fühlen, können sie das Friedensabkommen jederzeit aufkündigen. Es handelt sich ja nicht um einen völkerrechtlichen Vertrag.

Dann könnte Didi nicht nur gegen Uber losschlagen, sondern gegen alle. Oder: einen oder mehrere der anderen Verbündeten schlucken. Investiert hat Didi ja ohnehin schon.

„Das Tempo, die Partnerschaften, die Wege, wie wir neue Märkte erschließen, all das wird sich jeweils unterscheiden. Aber wir planen das definitiv“, sagt Zhu. „Wir sind eine der wenigen Marken aus China, die jenseits des chinesischen Markts Erfolg haben werden. Wir werden uns zu einem Global Player entwickeln. Das wissen wir.“

Für die Ohren eines unbedarften Zuhörers klingt Zhus Aussage nach fröhlicher Zuversicht. Didis Mitbewerber dürften sie eher als Drohung verstehen.

Der Beitrag ist zuerst in Capital 2/2017 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon