DatenmissbrauchFacebook versinkt in der Identitätskrise

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark ZuckerbergGetty Images

Ein Berg aus Vorwürfen türmt sich vor Facebook auf und entlarvt die Fäulnis im Kern des Unternehmens. Facebooks problematisches Verhältnis zu persönlichen Daten und die Art und Weise der immer wieder auftretenden Fälle von Datenmissbrauch zeigen den gefährlichen Charakter eines Unternehmens, das darauf angewiesen ist, alles über seine eigenen Nutzer zu wissen. Die jüngsten Ereignisse könnten die User veranlassen, Facebook seltener zu nutzen – oder sich gar ganz abzumelden. Das wäre fatal für das Unternehmen, denn Facebook ist auf den regelmäßigen Besuch seiner Nutzer angewiesen

Die neuesten Enthüllungen haben alle mit einer Tatsache zu tun: Facebook war eine Zeitlang ein Instrument, um riesige Datenmengen über seine Nutzer an Entwickler und Data-Miner aller Art weiterzugeben. Externe Entwickler haben Spiele, Quizzes und andere Anwendungen entwickelt, um persönliche Daten von den Nutzern zu sammeln – und von deren Freunden.

Facebook erlaubte diesen Datenzugriff in der Hoffnung, ein Geschäft wie Apples Appstore aufbauen zu können. Die Datensammelei durch externe Entwickler wurde jedoch zu einer Gefahr, weshalb das Unternehmen die Praxis schließlich wieder einschränkte. Wenn Entwickler Daten außerhalb der von dem Unternehmen genehmigten Anwendungen verwendete, wurden sie von Facebook zur Löschung der Daten aufgefordert.

Facebook schränkte Datennutzung ein

Das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica, das nun überall in den Nachrichten auftaucht, hat für eine Reihe von Kunden aus der Politik gearbeitet, auch für die Trump-Kampagne. Es soll Daten von den Anbietern solcher Anwendungen erhalten und sie jahrelang unsachgemäß aufbewahrt haben. Dem sozialen Netzwerk sei dagegen mitgeteilt worden, dass die Daten vernichtet wurden.

„Wenn Entwickler Anwendungen erstellen, die nach bestimmten Informationen von Personen fragen, führen wir eine Überprüfung durch, um Richtlinienverstöße zu identifizieren und zu herauszufinden, ob die Anwendung eine legitime Nutzung für die Daten hat“, so Justin Osofsky, Vice President of Global Operations bei Facebook. „Vor drei Jahren haben wir Regularien so geändert, damit Entwickler nicht mehr auf Informationen über Freunde zugreifen können.“ Das Unternehmen werde seine Produkte und Richtlinien weiter verbessern, um weiteren Missbrauch zu verhindern, sagte eine Facebook-Sprecherin.

Der neue Skandal erinnert uns an die internen Debatten bei Facebook über Enthüllungen, Russen hätten die Plattform benutzt, um die Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen. Politiker und Regulierungsbehörden in den USA und Europa fordern, der Konzern solle den Missbrauch seiner oft geheimnisumwitterten Plattform vollständig erfassen.

Das soziale Netzwerk hat zwei große Probleme

Es bleibt nicht mehr viel Zeit für Facebooks Seelen-Suche als Chance zur Selbstkontrolle. Nutzer und Regulierer könnten schon bald von sich aus handeln.

Immer wieder sehen wir zwei große Probleme in der Geschichte Facebooks. Das erste ist, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, die Art und Weise zu antizipieren, wie seine Plattform und der unglaublich große Fundus an sensiblen Daten missbraucht werden können. 2007 war es die Art und Weise, wie das Werbesystem Beacon das Einkaufsverhalten der Nutzer und indirekt ihre Lebensentscheidungen mit ihren Freunden und ihrer Familie teilte.