VeranstaltungenIn der Eventbranche geht die Angst vor dem Kahlschlag um

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Eigentlich ist Broich Catering breit aufgestellt, beliefert Kongresse, Messen und Events und ist auch Caterer im VIP-Bereich von Borussia Mönchengladbach. Darüber hinaus gehören Schulen und Kitas zu den Kunden. Durch den Lockdown sind aber alle Geschäftsfelder nahezu zum Erliegen gekommen.

Caterer und Sprecher der Leca, Georg W. Broich
Caterer und Sprecher der Leca, Georg W. Broich (Bildquelle: Leca)

Nur die Versorgung der Kitas läuft weiter – die Zahl der Portionen am Tag ist allerdings von 3500 auf 100 geschrumpft. „Ich fahre teilweise 40 Kilometer für fünf Portionen, sehe es aber als meine gesellschaftliche Pflicht an, diese Kitas zu versorgen“, sagt Broich. „Umgekehrt ist die Politik nicht bereit, so zu helfen, wie es nötig wäre.“

Gerade die Sicherheiten von 20 Prozent, die Hausbanken für Kredite fordern, würden die Einnahmen der kommenden Jahre erheblich schmälern. „Viele wissen ja aber noch gar nicht, ob sie die Kredite in den nächsten Jahren zurückzahlen können“, sagt Broich. „Natürlich kann man da sagen, das ist unternehmerisches Risiko. Das stimmt auch, aber ich habe mehr als 200 Mitarbeiter, für die ich verantwortlich bin.“ Stattdessen müsste es Kredite ohne bürokratische Hürden, mit langen Laufzeiten geben, damit die Unternehmen das Geschäft aufrechterhalten können. Die Corona-bedingten Verluste durch erlassene Steuern zu verrechnen, wäre ebenfalls eine Möglichkeit.

Hochzeitsbranche: „Untergang in Häppchen“

Nicht nur die Großveranstaltungen leiden unter der Pandemie. Auch die Hochzeitsbranche hat der Lockdown schwer erschüttert. Nach und nach wurden mehr Hochzeiten storniert oder verschoben. Allein für die ausgefallenen Hochzeitstermine im Frühjahr rechnet die Plattform Hochzeitsplaza mit Verlusten zwischen 838 Mio. und mehr als 1 Mrd. Euro für die Dienstleister. Jetzt hält die Unsicherheit Paare von Neubuchungen ab. „Für die Hochzeitsbranche war die Corona-Krise der Untergang in Häppchen“, sagt Svenja Schirk, Pressesprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner.

Die staatlichen Maßnahmen spielten für viele Hochzeitsplaner kaum eine Rolle. „Eine Soforthilfe ist nett gemeint, hilft aber nicht, um Ausfälle einer ganzen Saison und sogar einer weiteren zu kompensieren“, sagt sie. Denn die ausgefallenen Veranstaltungen können 2021 nicht doppelt belegt werden. „Deshalb gibt es quasi doppelten Honorarausfall“, sagt Schirk. Klare Aussagen seien deshalb das Wichtigste. „Mit Regelungen – und seien sie noch so hart – wäre uns zumindest in der Organisation geholfen.

Weiteren Lockerungen fiebert die gesamte Branche daher bereits entgegen. „Wenn mal die Lockerungen da sind und Veranstaltungen wieder risikoarm stattfinden können, dann wird der Bedarf auch wieder schnell da sein und entstehen“, sagt Wintzen. Bis es soweit ist, müsse man nach vorne schauen, fordert Thoben: „Auch wenn es eine Krise gibt, muss man nach neuen Chancen suchen. Denn für das Unternehmen und die Mitarbeiter ist es wichtig, das Gefühl zu haben, dass es weitergeht“. Insglück hat bereits Aufträge für den Herbst und das kommende Jahr. Engelmann Messe & Design startet ebenfalls die Akquise für 2021. Und auch Broich Catering überarbeitet seine Cateringkonzepte und steckt mit Fotoshootings und der Planung von Social-Media-Kampagnen mitten in der Vorbereitung.


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