VeranstaltungenIn der Eventbranche geht die Angst vor dem Kahlschlag um

Seite: 2 von 3

Auch seine Eventagentur Insglück hat die Folgen des Lockdowns zu spüren bekommen. „Wir haben kurz vor dem erfolgreichsten Jahr der Firmengeschichte gestanden“, erzählt Wintzen. In der Krise setzt Insglück jetzt zusammen mit dem Veranstaltungstechniker Neumann & Müller auf digitale Formate unter dem Namen „Beyond Streaming“. Das Konzept soll über das Reden am Bildschirm hinausgehen und Nutzer aktiv einbinden. Von hybriden Tagungen, über digitale Workshops und Masterclasses bis hin zu Formaten mit Augmented Reality oder Awardverleihungen reicht das Angebot bisher – und die Nachfrage ist groß. Sechs Projekte betreuen Insglück und Neumann & Müller aktuell.

Mit dem Konzept „Beyond Streaming“ setzen Insglück und Neumann & Müller auf digitale Kommunikationsformate (Bildquelle: Insglück)

Umstieg in andere Bereiche braucht Zeit

So wie die Agentur versuchen viele Unternehmen in Zeiten der Krise umzudenken und neue Konzepte zu entwickeln. Andere verstärken dagegen die Geschäftsfelder, die auch in Corona-Zeiten funktionieren. Das Messebauunternehmen von Matthias Thoben, Engelmann Messe & Design, setzt seit dem Lockdown stärker auf den Innenausbau. Konkret heißt das, den Hygiene- und Kontaktschutz bereitzustellen, den viele Unternehmen und Büros nach der Rückkehr aus dem Homeoffice brauchen. „Das aktuelle Geschäft stellt ungefähr zehn bis 15 Prozent des normalen Umsatzes dar“, bilanziert Thoben. Nach seiner aktuellen Einschätzung könnte sein Unternehmen damit in 2020 noch auf 25 bis 30 Prozent des normalen Umsatzes kommen.

Die Krisenzeit will das Messebauunternehmen auch nutzen, um die Markenkommunikation stärker auszubauen. Allerdings brauche ein solcher Umstieg auch seine Zeit. „Ein neues Geschäftsfeld kann man nicht von einem auf den anderen Tag aufbauen“, sagt Thoben. Einfach nur Abwarten, kommt für ihn in der aktuellen Situation aber nicht infrage. „Das geht gegen meine Unternehmertätigkeit.“ Trotzdem falle es manchmal schwer, positiv zu bleiben. „Um zwei Monate Stillstand wieder aufzufangen, die entsprechenden Kredite abzubezahlen und unser Eigenkapital aufzustocken, brauchen wir ein Jahr.“

Als Mitglied im Vorstand des Famab und der Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft (IGVW) weiß er auch um die Situation vieler Kollegen der Event- und Veranstaltungswirtschaft.  „Ich befürchte, dass es einen Kahlschlag in der Branche geben wird.“ Denn bis November werden kaum große Veranstaltungen stattfinden. „Von Seiten der Branche kann es wieder losgehen“, sagt Thoben. „Aktuell ist es aber eine Risikoabwägung, ob eine Veranstaltung mit begrenzten Besucherzahlen wirtschaftlichen Erfolg bringt – und ob die Besucher bereit sind wiederzukommen.“ Das könnte aber noch eine Weile dauern.

Investitionen fallen Caterern „auf die Füße“

Auch einige Eventcaterer sind in der Krise auf den Lieferservice umgestiegen, um sich über Wasser zu halten und den Kunden zu signalisieren: Wir sind noch da. Die Verluste fängt dieses Geschäft häufig aber nicht auf. Das weiß auch Caterer und Sprecher der Leading Event Caterer Association (Leca), Georg W. Broich: „Unsere Kunden werden über Wochen und Monate nicht zurückkommen. Denn nach der jetzigen Krise wird die Wirtschaftskrise kommen.“ Viele Caterer hatten in den vergangenen Jahren außerdem größere Investitionen für die Zukunft getätigt. „Das fällt uns jetzt wieder auf die Füße“, sagt Broich. Allein für die 16 Mitglieder der Leca lautete die Prognose, dass bis Ende Juni mit Verlusten von 50 Mio. Euro zu rechnen sei.