KommentarEuropas Iran-Politik: nicht ganz so mutig

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Verlässliche Partner: Chinas Außenminister Wang Yi empfängt den iranischen Amtskollen Mohammad Javad in Peking zum Gespräch über die Rettung des Atomabkommens ohne die USA.
Verlässliche Partner: Chinas Außenminister Wang Yi empfängt den iranischen Amtskollen Mohammad Javad in Peking zum Gespräch über die Rettung des Atomabkommens ohne die USA.

China ist weniger exponiert

Dabei kann es für die angeschlagene iranische Wirtschaft spätestens brandgefährlich werden, wenn in der zweiten Runde der US-Sanktionen ab November das Ölembargo greift. Von täglich rund 2,5 Millionen exportierten Barrels Rohöl nimmt Europa laut iranischer „Financial Tribune“ etwa 38 Prozent ab. Irans Öleinkommen sind bereits geschrumpft, das Land ächzt unter Devisenknappheit und einer akuten Währungsschwäche. Präsident Hassan Rohani verliert zusehends an Rückhalt.

Ein in Iran von dem chinesischen Autobauer Chery mit dem Staatsbetrieb Khodro montierter "China Car", der Teggo 5. China steht bereit, das Vakuum zu füllen, wenn europäische Hersteller sich von Kooperationen wieder zurückziehen.
Ein in Iran von dem chinesischen Autobauer Chery mit dem Staatsbetrieb Khodro montierter „China Car“, der Teggo 5. China steht bereit, das Vakuum zu füllen, wenn europäische Hersteller sich von Kooperationen wieder zurückziehen.

Als Trump den Atomdeal verwarf, wandte die Regierung sich zuerst an Europa. Die erste Reise von Außenministers Javad Zarif nach der Ankündigung neuer Sanktionen ging nach Peking. Der Partner war schon in füheren Boykottjahren eine verlässliche Konstante. Chinesische Zulieferer versorgten den zweitgrößten Industriezweig mit Kfz-Teilen; sie erreichen nun einen Importanteil von 50 Prozent. Im Iran montierte „China cars“ sind ungeliebt aber bezahlbar. China baut Schienen, Lokomotiven, Straßen. Der Handel verdoppelte sich seit 2006 auf 28 Mrd. Dollar.

Mit Indien nimmt die Volksrepublik knapp 1,4 Millionen Barrels Öl pro Tag ab, und – anders als Japan und Korea, die auf US-Druck Importe zurückfahren – wollen Peking und Neu Delhi sich Trump widersetzen. Den gesamten Boykott können sie kaum kompensieren. Doch Chinas Bedarf nimmt noch zu – und im Clinch mit Washington über Strafzölle kann Iran willkommene Verhandlungsmasse sein. Auch chinesische Unternehmen sind zunehmend global unterwegs, doch sind Strafen potenziell leichter zu umgehen. So hat die Ölgesellschaft CNPC laut Wall Street Journal mit der Kunlun Co. Ltd. Bank bereits eine Sondereinheit für das Iran-Geschäft gegründet.

Natürlich: So ein Vehikel zu schaffen, das gegen Strafen gut gepanzert ist, fällt der Staatswirtschaft  leichter als dem Westen. Wenn die Bundesbank 300 Mio. Euro iranische Guthaben zurückhält, weil Teheran sich noch nicht an internationale Regeln gegen Geldwäsche hält, ist das nachvollziehbar. Es ist aber auch ein Hinweis darauf, dass die Bereitschaft in Europa für ein staatlich finanziertes Hilfskonstrukt begrenzt ist.