InvestitionenEuropas Angst vor chinesischen Übernahmen

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VW investiert in sein Joint Venture

Im selben Zeitraum stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in China von 25 Mrd. Dollar im Jahr 2018 auf 35 Milliarden im vergangenen Jahr – und damit auf ein Zehn-Jahres-Hoch. Und noch etwas hat sich geändert: Waren es früher vor allem sogenannte „Greenfield-Investitionen“, also der Bau ganzer Fabriken (meist rund um die wirtschaftlichen Ballungszentren an der Ostküste Peking, Schanghai und Guangzhou) fließt jetzt mehr Geld in Übernahmen.

Pepsi übernahm im ersten Quartal dieses Jahres den chinesischen Snackhersteller „Be and Cherry“ für 700 Mio. Dollar. Volkswagen erhöhte seine Anteile am Joint Venture mit der Anhui Jianghuai Automotive Group für 1,1 Mrd. US-Dollar. Das gleiche tat die amerikanische Investment-Bank JP Morgan mit ihrem Joint-Venture-Partner.

„Peking geht es darum, im Bereich von Zukunftstechnologien die Wertschöpfungsketten in China zu stärken. Die chinesische Regierung rollt Europäern noch immer den roten Teppich aus, wenn es um Hightech-Unternehmen geht, die hier investieren wollen“, sagt Max Zenglein, Wirtschaftsexperte beim Mercator-Institut für China-Studien (MERICS) in Berlin. „Auch weil man weiß: Ausländische Unternehmen und die Konkurrenz mit ihnen führt dazu, dass chinesische Unternehmen besser werden.“ Will die chinesische Regierung ein Unternehmen im Land haben, sieht sie auch einmal über bestimmte Regelungen hinweg: So geschehen bei einer Milliardeninvestition von BASF in Guangdong. Als das Unternehmen sich gegen den Joint-Venture-Zwang wehrte, wurde dieser kurzerhand aufgehoben.

Ein Grund für diesen Trend ist auch, dass chinesische Unternehmen schlicht interessantere Übernahme-Kandidaten geworden sind. Während vor zehn Jahren chinesische Firmen in fast allen Belangen ihren westlichen Konkurrenten hinterherhinkten, gibt es mittlerweile Sektoren, in denen sie führend sind. So kaufte sich Volkswagen kürzlich mit 26 Prozent beim Batteriehersteller Guoxuan High-Tech ein – 1,2 Milliarden legten die Wolfsburger dafür hin.

„Europa muss sich der eigenen Stärke bewusst werden, China braucht die EU mehr denn je“

Max Zenglein

Das alles darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es durch die Corona-Pandemie zu einer massiven Verlangsamung bei Übernahmen kommt. Insgesamt dürften die ausländischen Direktinvestitionen in China dieses Jahr um rund 40 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Mindestens ebenso schwer wiegt der Konflikt zwischen den USA und China – die amerikanische Regierung arbeitet aktiv auf eine Entflechtung der beiden Volkswirtschaften hin. Lieferketten westlicher Unternehmen sollen diversifiziert werden – sprich auf asiatische Nachbarländer ausweichen.

Und doch zeigt der Trend: Ein Investitionsabkommen ist notwendiger denn je. Beim nun nicht zustande gekommenen Investitionsabkommen geht es seit Jahren um die selben Themen, auch wenn diese in neue diplomatische Worthülsen verpackt werden“, so Zenglein. „Marktzugangsbeschränkungen, Technologie-Transfer und die Rolle der Staatsunternehmen – dort regt sich wenig. China hat hier in den vergangenen Jahren viele Versprechungen gemacht, aber nicht eingehalten. Europa muss sich der eigenen Stärke bewusst werden, China braucht die EU mehr denn je.“

 


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