InterviewWohin mit dem Windradmüll?

Seite: 2 von 3

„Irgendwann gehen den Unternehmen die Rohstoffe aus“

Herwart Wilms
Herwart Wilms, Geschäftsführer im Remondis-Konzern
© Espen Eichhöfer

Dann ersticken wir irgendwann am Hightechmüll. Versuchen Sie denn, mit den Herstellern zu sprechen?

Ja, wir führen Gespräche mit VW, Audi, BMW und Mercedes. Die hören uns schon zu.

Aber die wollen sich von Müllexperten wohl nicht sagen lassen, wie sie ihre Autos bauen sollen.

Wir versuchen trotzdem, sie davon zu überzeugen, dass die Untrennbarkeit ihrer Materialien nicht richtig ist. Wir wissen, welche Stoffe trennbar sind und wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können. Ansonsten könnte man es ja auch so machen, dass die Hersteller ihre Autos wieder zurücknehmen, auseinanderbauen und die Rohstoffe direkt selbst wieder verwerten. Spätestens dann würden sie sich die Gedanken machen.

Warum sollten die den Aufwand betreiben?

Weil ihnen irgendwann die Rohstoffe ausgehen! Davon sind unsere Auto- und Maschinenhersteller aber abhängig. Wir haben zum Beispiel kein einziges Erzbergwerk in Deutschland. Wir sind die Generation, die womöglich erstmals erlebt, dass Rohstoffe knapp oder verbraucht und nicht ersetzbar sind. Die Phosphor-Vorräte werden je nach Prognose in 130 oder auch schon in 90 Jahren aufgebraucht sein. Wenn es bis dahin keine Lösung gibt, werden wir in der Landwirtschaft und damit bei der Ernährung der Weltbevölkerung massive Probleme bekommen.

Jetzt dramatisieren Sie aber.

Wir können uns auch darauf verständigen, dass wir weiter abwarten und in die Knappheit laufen, irgendwie kriegen wir es dann vielleicht doch geregelt. Ich mache nur den Vorschlag, dass es besser wäre, gemeinsam Lösungen zu suchen.

Auf die Energiewende folgt die Rohstoffwende

Wie kann man die Hersteller davon überzeugen?

Auf freiwilliger Basis passiert da noch wenig. Dafür braucht es wieder einen gesetzlichen Rahmen. Es gibt auch eine Verpackungsverordnung, nach der Kekse in Deutschland nur in Umlauf gebracht werden dürfen, wenn ihre Verpackung lizenziert ist. Aber ein Auto, das nicht recycelt werden kann, darf in den Verkehr gebracht werden. Warum wird das eigentlich nicht geregelt?

Sie wollen ein Gesetz, das Hersteller bestraft, deren Produkte nicht recycelt werden können?

Ich fände es umgekehrt besser: Hersteller, die recycelbare Produkte und Produkte, die Recyclingrohstoffe enthalten, in Umlauf bringen, sollten Vergünstigungen bekommen. Die sollten aus einem Fonds gezahlt werden, in den Hersteller einzahlen müssen, die nicht recycelbare Produkte in Umlauf bringen. Ich glaube, dass wir nach der Energiewende irgendwann eine Rohstoffwende haben werden.

Aus dem Haushaltsmüll können Sie aber nichts mehr rausholen, oder?

Bei Sperrmüll und Bioabfall ist mehr drin. Obwohl es ein Gesetz gibt, das überall Biotonnen vorschreibt, verbrennen wir immer noch 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Da sind wichtige Nährstoffe drin, die wir eigentlich in den Boden geben sollten. Bei Papier könnten wir auch noch mehr rausholen. Im Hausmüll landen über drei Millionen Tonnen Metall und Kunststoffe, die einfach verfeuert werden.