GastbeitragEnergiewende – Mythen reloaded

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Zu einer umfassenden volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Betrachtung gehört aber mehr. Denn durch die Förderung erneuerbarer Energien sind zwischen 2004 und 2017 laut Bundeswirtschaftsministerium wirtschaftlichen Impulse im Wert von 240 Mrd. Euro entstanden. Außerdem haben die Investitionen auch neue Arbeitsplätze hervorgebracht: Derzeit arbeiten über 330.000 Beschäftigte in der Erneuerbare-Energien-Branche. Zwischenzeitlich waren es deutlich mehr, aber die permanenten gesetzlichen Einschnitte infolge des Mythen-Lobbyismus’ haben immer wieder Arbeitsplätze vernichtet; zuerst in der Solarenergie, aktuell auch in der Windenergie. Ohne Mythen-Hokuspokus könnten es also deutlich mehr Arbeitsplätze sein.

Unterm Strich hat die Energiewende also bisher gar nichts gekostet, sondern einen enormen Ertrag gebracht. Es muss also richtigerweise heißen:

Fakt ist: Die Energiewende hat seit 2005 über 300 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet.

#2 Mythos: „Es gibt Geisterstrom aus Windanlagen, der 364 Millionen Euro kostet!“

Nach dem Mythos „Zappelstrom“ kommt nun der Mythos „Geisterstrom“. Beides sind Begriffe, die sich zwar auf Tatsachen beziehen, aber abwertend gemeint sind. „Zappelstrom“ ist das Schimpfwort für Strom aus erneuerbaren Energien, der eben schwankt, weil der Wind unterschiedlich weht und die Sonne unterschiedlich scheint.

„Geisterstrom“ bezieht sich auf Strom, der in Windanlagen produziert werden könnte, aber nicht produziert wird – und zwar aufgrund von Netzüberlastungen und –engpässen. Dafür bekommen Windanlagenbetreiber eine Entschädigung. Ein solcher Vorgang ist im Wirtschaftskontext völlig normal. Wenn jemand eine Pizza bestellt, sie dann aber doch nicht isst, muss er sie trotzdem bezahlen. Dieselben die von Geisterstrom herumschwadronieren, fordern für Kohlekraftwerke gern „Bereitstellungsprämien“.

Im Hintergrund bei all diesen Begriffen schwingt immer die These mit, dass die Energiewende angeblich nicht funktioniert. Das ist Unsinn. Denn die Tatsache, dass Windanlagen abgeregelt werden müssen, liegt an Netzengpässen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Aber ein Grund wird gern von Energiewende-Gegner unterschlagen: Kohlekraftwerke stehen zu großen Teilen nördlich der Mainlinie, also da, wo der meiste Wind weht. Wenn der Wind weht, könnten sie eigentlich runtergefahren werden. Aber weil diese „CO2-Schleudern“ verdammt unflexibel sind, müssen stattdessen die klimaschonenden Windanlagen abgeregelt werden. Das betrifft derzeit maximal ein Prozent der Strommenge, ist also eigentlich nicht der Rede wert. Und auch die scheinbar skandalösen 300 Mio. Euro „Ausfallprämie“ sind nur ein kleiner Betrag der gesamten Stromkosten in Deutschland, nämlich unter drei Prozent. Aber wer Mythen verbreiten will, macht gern aus Mücken Elefanten.

Deswegen ist auch die ewige Litanei, die Netze würden bald nicht mehr ausreichen, ein Lobbyisten-Märchen: Mit dem Kohleausstieg werden nach und nach die trägen Kohlekraftwerke verschwinden, und nach und nach also auch die Netzengpässe abnehmen.

Und weil wir gerade dabei sind: Den überschüssigen Windstrom könnte man eigentlich auch an lokale Abnehmer liefern oder in Power-to-Gas-Anlagen sinnvoll in Wasserstoff oder „Power to Gas“umwandeln. Aber das ist derzeit nicht erlaubt. Deswegen wäre es dringend geboten, dafür die Rahmenbedingungen zu ändern. Und jetzt ratet mal, wer dagegen ist!

Fakt ist: Geisterstrom gibt es nicht, aber Ausfallprämien für Windbetreiber, wenn Kohlekraftwerke die Netze blockieren. Die Kosten dafür sind vernachlässigbar niedrig. Wer das ändern will, sollte gesetzliche Regelungen schaffen, die den Handel und die Speicherung von überschüssiger Windenergie ermöglichen.