GastkommentarEnergiewende - keine Angst vor dem Zappelstrom-Tsunami

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Fakten sind bei diesem Drama unerwünscht

Welch Tragödie! Denn selbst wenn man diesen Zappelstrom-Tsunami an irgendeiner Stelle auffangen wollte – so wird von interessierter Seite mit ebenso großer Akribie wie Phantasie errechnet –, dann beläuft sich in einer Energiewelt aus 100 Prozent erneuerbaren Energien der angebliche Speicherbedarf auf die sagenhafte 400-fache Pumpspeicherkapazität Deutschlands, welche damit weit höher sein müsse als das gesamte Pumpspeicherpotential Europas! Na klar sind derartige Speicherkapazitäten undenkbar und eben deswegen soll die gesamte Energiewende Mumpitz sein. Quod erat demonstrandum. Man denke sich angesichts eines schlüssigen Gedankens etwas Undenkbares als Gegenargument aus, berechne kompliziert die Unberechenbarkeit dieses Undenkbaren, bis allen der Kopf schwirrt, um dann den ersten Gedanken als „Seht Ihr: Quatsch!“ vom Tisch zu wischen.

Fakten sind bei diesem Drama unerwünscht, denn sonst müsste man zugeben, dass diese Zappelstrom- und Speichermangel-Szenarien komplett unrealistisch sind. Es ist geradezu banal, dass erneuerbare Energien in begrenztem Umfang kostenminimal abgeregelt werden, ja, mehr noch: Diese Art der Flexibilisierung des Stromsystems ist sogar notwendig, um die Dynamik effektiv einzubinden. Keine Angst vor dem Zappelstrom-Tsunami!

Und, nein, die Energiewende wird sicher auch nicht an fehlenden Stromspeichern scheitern. Neben Pumpspeichern, die nur einige Stunden als Speicher dienen können, werden mittelfristig Langzeitspeicher die Energie länger vorhalten. So kann aus Ökostrom beispielsweise Wasserstoff generiert werden, der dann als Treibstoff für die Mobilität dient oder der, mit CO2 angereichert und methanisiert, als Ökogas zum Treibstoff in allen Sektoren wird.

Die Energiewende ist technisch machbar und ökonomisch sinnvoll

Genau das ist nämlich das Ziel der „Sektorkopplung“ – zugegeben ein etwas sperriges Wort –, nämlich dass mit Hilfe von Ökoenergien Treibstoffe für die Mobilität hergestellt werden oder auch die Gebäudeenergie für Wärme und Kühlung Teil der Speicherlösung sind. Selbst Elektroautos können bei kluger Steuerung zur Netzstabilisierung beitragen, wenn auch vermutlich nur in begrenztem Umfang.

Derlei klingt heute in etwa so utopisch wie vor zehn Jahren ein Handy, mit dem man seine Bahnfahrkarte kauft oder die Lieblingsmusik streamt. Aber Fakt ist, dass schon heute große Batterien als Speicher eingesetzt werden, etwa in Norddeutschland oder von mutigen Unternehmern selbst in Oberbayern. Fakt sind neuste Forschungserkenntnisse aus Energiesystemmodellen. Fakt sind technologische Innovationen und wegweisende Prototypen aus Forschung und Entwicklung. Sie alle zeigen, dass die Energiewende nicht nur politisch und moralisch nötig, sondern auch technisch machbar sowie ökonomisch sinnvoll und rentabel sein kann – wenn man nur endlich mal entschlossen mit der Umsetzung anfinge.

Stattdessen gibt es eine fast endlose Liste an Mythen, warum die Energiewende angeblich nicht funktionieren könne. Das alles ist pures Energiewende-Mobbing. Die ewig gestrigen Störmanöver haben nur ein Ziel: Menschen in Politik und Gesellschaft zu verunsichern und die Energiewende dadurch zu blockieren.

Das unternehmerische Motto, das sonst in jedem Chefbüro hängt „Geht nicht, gibt’s nicht!“ ist in der angeblich so tatkräftigen Welt der fossilen Energien ein Tabu. Der technische Fortschritt würde das Ende der fossilen Dinosaurier-Industrie bedeuten. Also werden keine Kosten und Mühen gescheut, den Untergang hinauszuzögern. Die lebensverlängernden Beatmungsgeräte der fossilen Propagandamaschinerie laufen auf Hochtouren. Für die Vergangenheit der Kohleindustrie ist jeder Tag Gold wert. Aber für die Zukunft der deutschen Wirtschaft ist derselbe Tag verloren. Und das ist die wahre Tragödie dieses absurden Theaters.