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Karriere mit Kind Elterngeld: Mehr Leistung für mehr Leistung

Wer sein Kind selbst versorgt und dafür bei der Arbeit kürzertritt, soll mit dem Elterngeld einen Ausgleich für den Verdienstausfall erhalten
Wer sein Kind selbst versorgt und dafür bei der Arbeit kürzertritt, soll mit dem Elterngeld einen Ausgleich für den Verdienstausfall erhalten
© IMAGO/U.J. Alexander
Wer sich um sein Kind kümmert und dafür weniger arbeitet, kann Elterngeld beantragen. Was es mit dem „ElterngeldPlus“ und dem „Partnerschaftsbonus“ auf sich hat. Und warum Verheiratete schnell noch die Steuerklasse wechseln sollten

Frischgebackene Eltern haben in der Regel alle Hände voll zu tun. Um sie zu entlasten, hat die Bundesregierung im Jahr 2007 das Elterngeld eingeführt – eine Finanzspritze für die Zeit nach der Geburt. Wer sein Kind selbst versorgt und dafür bei der Arbeit kürzertritt, soll mit dem Elterngeld einen Ausgleich für den Verdienstausfall erhalten. Wie Mütter und Väter optimal vom Elterngeld profitieren und was sie vorher abklären sollten. 

Ab dem Tag, an dem ihr Kind auf die Welt kommt, haben Eltern grundsätzlich Anspruch auf Elterngeld. Ausgenommen sind Mütter und Väter, die ihre Arbeit nicht genug reduzieren, also im Schnitt noch mehr als 30 Wochenstunden arbeiten. Auch Menschen, die vor der Geburt mehr als 250.000 Euro brutto pro Jahr verdient haben, oder Paare mit einem gemeinsamen Einkommen von mehr als 300.000 Euro, gehen leer aus.  

Grundsätzlich haben die leiblichen Eltern Anspruch auf Elterngeld. Bei homosexuellen Paaren gelingt das durch die Stiefkind- oder Sukzessivadoption. Sowohl bei heterosexuellen als auch homosexuellen Paaren muss das Paar verheiratet sein oder in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Nur dann kann man für das Kind des Partners oder der Partnerin Elterngeld beantragen.

Den Elterngeldantrag reichen Mütter und Väter bei der jeweiligen Landesstelle ein. Wie hoch die Leistung ausfällt, hängt vom Nettoeinkommen der Person vor der Geburt ab. Außerdem gibt es drei Varianten: Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus. Sie lassen sich auch miteinander kombinieren. Wie Eltern die meiste Unterstützung erhalten, können sie anhand des Elterngeldrechners des Familienministeriums prüfen. 

Basiselterngeld

Mutter und Vater haben bei der Geburt ihres Kindes in jedem Fall einen gemeinsamen Anspruch auf zwölf Monate Basiselterngeld. Wenn beide Partner davon mindestens zwei Monate in Anspruch nehmen und mindestens ein Partner weniger verdient als vor der Geburt, legt der Staat noch zwei „Partnermonate” obendrauf – zahlt insgesamt also 14 Monate lang Elterngeld. Damit will er die Gleichstellung fördern. Alleinerziehende können die vollen 14 Monate ausschöpfen.  

Die Unterstützung mit dem Basiselterngeld gilt nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes. Und sie wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt. Heißt: Eltern sollten den Antrag innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt des Kindes einreichen.  

Den Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat kann jeder bekommen, auch Studierende und Menschen, die zuvor nicht gearbeitet haben. Erwerbstätige hingegen erhalten zwischen 65 und 100 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens. Wer mindestens 1.240 Euro verdient hat, bekommt 65 Prozent erstattet. Der höchstmögliche Betrag liegt bei 1.800 Euro. Familien mit mehreren Kleinkindern oder Mehrlingen bekommen Zuschläge.  

ElterngeldPlus

Bei Eltern, die bald nach der Geburt wieder arbeiten gehen, wird der Zuverdienst auf das Basiselterngeld angerechnet. Ein Beispiel: Wer vor der Geburt monatlich 2.000 Euro verdient hat, in der Elterngeldzeit halbtags arbeitet und 900 Euro erwirtschaftet, erhält als Elterngeld 65 Prozent der Differenz zwischen dem alten Gehalt und dem neuen Teilzeitgehalt. Also 65 Prozent von 1.100 Euro – macht 715 Euro pro Monat.  

Beim ElterngeldPlus ist die Rechnung anders. Der monatlich ausgezahlte Betrag ist nur halb so hoch wie beim Basiselterngeld. Dafür zahlt der Staat die Leistung doppelt so lange, sprich 24 statt 12 Monate – die Summe der Hilfszahlungen bleibt also die Gleiche. Und Eltern dürfen beim ElterngeldPlus etwas dazuverdienen, ohne dass ihre Leistung gekürzt wird. Voraussetzung dafür ist, dass der Zuverdienst nicht höher ausfällt als der monatliche Elterngeldbetrag.

Das ElterngeldPlus kann man auch nach dem 14. Lebensmonat noch beantragen. Allerdings muss ab dem 15. Lebensmonat mindestens ein Elternteil die Leistung durchgängig beziehen.  

Partnerschaftsbonus

Wenn sich zwei Elternteile die Kinderbetreuung teilen und beide in Teilzeit arbeiten, erhalten sie den sogenannten Partnerschaftsbonus: pro Person vier weitere Monate ElterngeldPlus. Dafür müssen sie vier Monate am Stück gleichzeitig weniger arbeiten, durchschnittlich 24 bis 32 Wochenstunden. Alleinerziehende können den Bonus für sich nutzen. Das Konzept unterscheidet sich von den oben erwähnten Partnermonaten und lässt sich mit diesen kombinieren. 

Wichtiger Tipp: Steuerklasse wechseln

Ehepaare sollten vorab prüfen, ob es sich für den Partner, der Elterngeld bezieht, lohnt, vorübergehend die Steuerklasse zu wechseln. Denn ein Wechsel in die Steuerklasse III erhöht das Nettogehalt und damit auch das spätere Elterngeld deutlich. Gleichzeitig steigen die Lohnsteuerabzüge des weiter arbeitenden Partners. Er erhält die zu viel gezahlte Lohnsteuer also erst mit der nächsten Steuererklärung zurück. Hier gilt es abzuwägen, ob die Einnahmen reichen, um die Zeit bis dahin zu überbrücken.  

Entscheidend ist, dass Eltern in spe die Steuerklasse frühzeitig wechseln – denn es gilt die Lohnsteuerklasse, die sie in der überwiegenden Zahl der zwölf Monate vor der Geburt innehatten. Da die Mutterschutzzeit nicht hierzu zählt, müssen werdende Mütter ihre Steuerklasse bereits neun Monate vor der Geburt wechseln. 

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