Umfrage Elite-Panel: Entscheider loben Krisenreaktion der Bundesregierung

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Olaf Scholz bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Konjunkturpaketes Anfang Juni
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Olaf Scholz bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Konjunkturpaketes Anfang Juni
© IMAGO / photothek
In der Bevölkerung gibt es lautstarken Unmut über die Entscheidungen von Bund und Ländern in der Corona-Pandemie. Die Führungsspitzen in Unternehmen und in der Politik hingegen sind überzeugt, sie waren richtig. Das zeigt das neueste Elite-Panel aus Allensbach

Das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie hat der Bundesregierung einen massiven Vertrauensschub bei Deutschlands Führungselite beschert. Das zeigt das jüngste Elite-Panel des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) , eine Umfrage bei rund 500 Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Demnach sind 90 Prozent der Entscheider der Ansicht, dass die Bundesregierung in der Krise sehr gute oder gute Arbeit leiste. Nur neun Prozent attestieren der Großen Koalition weniger gute oder keine gute Arbeit.

Die Zufriedenheit mit der Reaktion auf die Pandemie und die daraus resultierende Wirtschaftskrise spiegelt sich in sämtlichen Fragen wieder, zu denen das IfD die Führungsspitzen aus Wirtschaft und Politik befragt hat. So sind etwa 85 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Lockdown zu Beginn der Krise richtig war (14 Prozent halten ihn für überzogen).

Knapp 70 Prozent der Befragten halten den Umfang der staatlichen Hilfspakete für ausreichend. Ebenso viele gaben an, dass sie den Einfluss der Virologen in der Krise für angemessen halten. 28 Prozent hingegen kritisierten, die Politik habe Virologen zu viel Einfluss eingeräumt. 61 Prozent aller befragten Entscheider widersprachen der Kritik, das Krisenmanagement sei einseitig auf gesundheitliche Aspekte ausgerichtet und wirtschaftliche oder gesellschaftliche Belange seien vernachlässigt worden.

Elite-Panel: Einige Ergebnisse im Überblick

Allensbach Elite-Panel im Juli 2020

Bemerkenswerterweise gibt es bei dieser Frage auch kaum Unterschiede zwischen Vertretern von Wirtschaft und Politik. Großen Rückhalt aus der Wirtschaft gibt es auch für die Einschränkungen, die Bund und Länder zur Bekämpfung der Pandemie beschlossen haben – anders als in der politischen Diskussion über die richtige Balance zwischen gesundheitlichen und ökonomischen Interessen teilweise argumentiert wird.

Bei der Frage, wie schnell die Maßnahmen aufgehoben werden sollen, spricht sich sogar ein größerer Anteil der Wirtschaftsvertreter für ein restriktives Vorgehen (72 Prozent) aus als bei den Befragten aus der Politik (62 Prozent). Auch bei der Frage, ob Grenzöffnungen in Europa das Risiko einer Ausbreitung der Epidemie erhöhen, äußerten sich die Entscheider aus der Wirtschaft skeptischer als jene aus der Politik.

Im Ergebnis führt die breite Unterstützung der Anti-Krisen-Strategie zu einer signifikanten Neubewertung der Handlungsstärke der Politik. Erstmals seit dem Jahr 2016 ist wieder eine Mehrheit im Elite-Panel der Meinung, dass die Bundesregierung stark genug sei, um die Probleme zu lösen. Bei der letzten Umfrage im Herbst 2019 waren davon lediglich 34 Prozent überzeugt .

In der neuen Umfrage, die Mitte Juni bis Mitte Juli durchgeführt wurde, schoss dieser Wert auf 81 Prozent. Nur 16 Prozent der Top-Entscheider treibt die Sorge um, die Bundesregierung könne im Umgang mit der Pandemie und ihren Folgen zu schwach sein. Im Herbst lag dieser Wert bei 64 Prozent.

Wichtigste Krisenmanager: Kanzlerin mit besten Zustimmungswerten

Unter den wichtigsten Krisenmanagern kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die besten persönlichen Zustimmungswerte. Ihr attestieren 91 Prozent der Führungsspitzen eine sehr gute oder gute Arbeit. In etwa gleichauf folgen Finanzminister Olaf Scholz (SPD, 82 Prozent Zustimmung), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU, 81 Prozent) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU, 79 Prozent). Die Arbeit von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bewertet dagegen eine Mehrheit negativ (56 Prozent). NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) attestieren 65 Prozent, er leiste in der Corona-Krise weniger gute oder keine gute Arbeit.

Trotz der guten Noten für das Krisenmanagement der Politik herrschen unter den Top-Entscheidern große Sorgen über die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie. So geben 83 Prozent an, dass sie die derzeitige wirtschaftliche Lage sehr stark oder stark beunruhige. Dabei sind die Sorgen unter den befragten Wirtschaftsvertretern ein Stück größer (35 Prozent äußern sich sehr beunruhigt) als unter den politischen Entscheidungsträgern (27 Prozent sehr beunruhigt).

Geteiltes Meinungsbild bei weiterer Entwicklung

Bei der Bewertung der aktuellen Auftragslage setzt sich der Negativtrend der letzten Befragungen des Elite-Panels fort. In der Frage, wie stark die eigene Branche und das eigene Unternehmen von der Rezession betroffen sind, zeigt sich ein gemischtes Bild: Jeweils etwas mehr als 50 Prozent der befragten Wirtschaftsvertreter geben an, dass ihre Branche und ihr Unternehmen sehr stark oder stark betroffen sind. Gespalten sind die Führungsspitzen auch in der Frage, wie es mit der Konjunktur weiter geht: 46 Prozent gehen davon aus, dass es in den nächsten sechs Monaten weiter abwärts geht. Ebenfalls 46 Prozent erwarten einen Aufschwung.

Das Elite-Panel ist Europas am prominentesten besetzte Führungskräfte-Umfrage. Das Institut für Demoskopie Allens­bach (IfD) führt sie seit 1987 zwei Mal im Jahr für Capital durch, 2015 ist die F.A.Z. als weiterer Auftrag­geber hinzugekommen. Unter den mehr als 500 befragten Top-Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren diesmal 94 Vorstände aus Konzernen mit mehr als 20.000 Beschäftigten, 19 Minister und Ministerpräsidenten sowie 30 Leiter von Bundes- oder Landesbehörden.

Icon1

Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“ ? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Mehr zum Thema



Neueste Artikel