UngleichheitEinkommen: So groß ist die Kluft in Deutschland

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Symbolbild Einkommenmoerschy auf Pixabay

#1 Ost und West

„Selbst 30 Jahre nach der deutschen Vereinigung besteht immer noch ein großes Einkommensgefälle zwischen den beiden Landesteilen“, heißt es in einer Analyse im „IAB-Forum“, dem Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Das Lohnniveau im Osten ist grundsätzlich deutlich niedriger als im Westen. Insgesamt lagt das durchschnittliche Tagesentgelt den Angaben zufolge im Osten 20 Prozent unter dem im Westen.

Besonders frappierend ist dies im Vergleich der beiden Extremwerte. „Während sich das durchschnittliche Tagesentgelt im einkommensstärksten Kreis (in der Stadt Erlangen) auf 149,41 Euro beläuft, ist es im Kreis mit dem niedrigsten Einkommen (Saale-Holzland) mit knapp 76,87 Euro nur gut halb so hoch“, heißt es in dem Artikel. Für ihn wurden den Angaben zufolge die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit sowie eigene IAB-Statistiken ausgewertet, aber auch Daten, die bisher nicht zur Verfügung standen, insbesondere Informationen über regionale Preisniveaus.

#2 Stadt und Land

Die Autoren haben das Einkommensgefälle in Deutschland genauer unter die Lupe genommen und dabei die Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen untersucht. Es wurden die Tagesentgelte aus sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung für das Jahr 2016 verglichen. Das war das Ergebnis (alle Zahlen sind Nominalwerte):

  • Großstädte ab 100.000 Einwohner – Westen: 121 Euro, Osten: 97 Euro
  • Städte unter 100.000 Einwohner – Westen: 107 Euro, Osten: 79 Euro
  • ländliche Gebiete – Westen: 99 Euro, Osten: 79 Euro

Die Zahlen zeigen, dass nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen den Regionen deutliche Unterschiede bestehen. Die Größten gab es zwischen städtischen und ländlichen Arbeitsmärkten in Westdeutschland. „Dort wird in den Zentren im Schnitt gut 20 Prozent mehr verdient als im ländlichen Raum. Dieser Unterschied ist von der gleichen Größenordnung wie der nominale Einkommensunterschied zwischen Ost- und Westdeutschland“, fassten die Autoren zusammen. Allerdings schrumpften die Unterschiede zwischen Stadt und Land im Westen, wenn preisbereinigte Entgelte zugrunde gelegt wurden, also die regionale Kaufkraft berücksichtigt wurde. Dann verringerte sich der Unterschied auf zwölf Prozent.

#3 Norden und Süden

Deutliche Lohnunterschiede gibt es im Westen nicht nur zwischen Stadt und Land. „Im Nordwesten dominieren Regionen mit eher mittleren Einkommen, ebenso in einem Band, das sich vom Saarland über die Pfalz nach Hessen zieht“, stellten die Autoren fest. „Im Kontrast dazu häufen sich im Süden der Republik Regionen mit vergleichsweise hohen Durchschnittseinkommen.“

#4 Osten wird gleicher, Westen ungleicher

Die Experten haben ferner untersucht, wie sich die Unterschiede beim regionalen Einkommen seit der Jahrtausendwende entwickelt haben. In Ostdeutschland sind demnach die Abstände zwischen den Regionen kleiner geworden, im Westen sind sie hingegen stark gewachsen. Für ganz Deutschland stellten die Autoren fest: „Im Hinblick auf die Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung streben die Regionen längerfristig betrachtet eher nicht aufeinander zu, sondern eher voneinander fort.“ Die Einkommensschere und damit auch die Ungleichheit in Deutschland werden also größer.


In diesen Berufen werden die höchsten Gehälter gezahlt: