KolumneEin Tollhaus mit Namen Audi

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerMartin Kress

Dieses Mal geht es um das Flaggschiff des Audi-Konzerns, den A8. Die Luxusautos müssen in die Werkstatt, um eine illegale Betrugssoftware zu entfernen. Allein in Deutschland sind 5000 Pkw betroffen. Das Interessanteste an der Meldung aus der letzten Woche: Sogar Dieselmodelle aus dem August dieses Jahres müssen zurück zum Vertragshändler. Mehr als zwei Jahre sind seit der Entdeckung der sogenannten Abschaltvorrichtungen in den Vereinigten Staaten vergangen – und trotzdem kamen noch vor wenigen Wochen Fahrzeuge mit eben dieser illegalen Software in den Handel. Und das bei Fahrzeugen, die mit etwas Zubehör leicht 150.000 Euro kosten. Angeblich muss Audi bei jedem Modell einzelnen prüfen, was da so alles Böses in der hauseigenen Software schlummert. Und das kann eben schon mal zwei Jahre dauern. Absurder könnte man ein eklatantes Managementversagen wohl nicht begründen.

Irgendwie haben wir uns alle daran gewöhnt, dass es im Dieselskandal im Wochentakt neue Hiobsbotschaften aus Ingolstadt gibt. Die meisten hören gar nicht mehr richtig hin. Selbst die Kunden regen sich offenbar gar nicht mehr besonders auf. Zumindest so lange, wie sie ihren Audi-Diesel nicht verkaufen müssen. Erst dann werden sie merken, dass sie deutlich weniger für ihr Altfahrzeug bekommen als sie ursprünglich gedacht hatten. Vielen A-8-Fahrern aber dürfte auch das egal sein: Sie leisten sich die Luxuskarosse als Firmen- und nicht als Privatwagen und bekommen daher vom Restwert ihres Fahrzeugs nicht viel mit.

Der Porsche-Piëch-Clan schützt Audi-Boss Stadler

Der mangelnde Druck der Kunden und die wachsweiche Haltung der deutschen Politik sorgen dafür, dass Audi-Chef Rupert Stadler sein Tollhaus in Ingolstadt weiter so regieren kann wie bisher. Die tonangebenden Aktionäre des Porsche-Piëch-Clans werden ihr Protegé erst dann fallen lassen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aus Deutschland müssen sie da nicht viel befürchten. Ganz anders sieht die Situation in den Vereinigten Staaten aus: Dort kann man erwarten, dass einem Richter irgendwann in naher Zukunft der Kragen platzt. Die zahlreichen Milliarden-Euro-Vergleiche, die VW und Audi in den USA geschlossen haben, sind kein Freibrief für fortgesetztes Fehlverhalten. Im Gegenteil: Viele der Prozesse sind formal noch keineswegs abgeschlossen. Das gilt vor allem für die Strafverfahren.

Man bekommt immer mehr den Eindruck, dass es weiterer Strafdrohungen und neuer Prozesse in den USA bedarf, um den VW- und Audi-Konzern zur Vernunft zu bringen und eine wirkliche Veränderung des bisherigen Verhaltens zu erzwingen. Große Teile des Managements sind bereits wieder zum Business as usual übergegangen und glauben, sie könnten die Bewältigung der restlichen Dieselaffäre ihren zahlreichen Anwälten überlassen. Die guten Geschäftszahlen bei VW verleiten zu der Fehleinschätzung, das Schlimmste sei bereits überstanden. Bei Audi stimmen aber selbst die Zahlen nicht – von einer guten Unternehmensführung ganz zu schweigen.