KolumneEin digitaler Pass für alles

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Wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen IDs

Die eID wird in Estland auch zur Eröffnung von Bankkonten genutzt. Auch die EU Kommission beschäftigte sich in einem Report mit dem Einsatz der eID im Bankensektor. Fazit: Bei 9100 Filialschließungen europaweit allein im Jahr 2016 ist es klar, dass Banken auf das Online-Geschäft setzen und deshalb auch eine sichere Identifizierung der Kunden benötigen. Die Vorteile für die Banken beim Einsatz einer europäischen ID: mehr Sicherheit, weil Daten von einer staatlichen Stelle bestätigt werden, größere Genauigkeit, weil kein manueller Abgleich mehr stattfinden muss, weniger Zeit und Kosten beim Onboarding Prozess und die Möglichkeit, seinen Kundenstamm auszubauen, weil das europaweite ID System es einfach machen würde, auch ausländische Kunden anzunehmen.

Gegen die eID spricht, laut Kommission, vor allem das Nutzerverhalten: viele Länder hätten wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen IDs. Kein Wunder, wird man in Deutschland auf dem Bürgeramt meist im Flüsterton gewarnt, dass es auch „gefährlich“ sei, die Online-Funktion des Persos zu aktivieren, weil man ja nicht wisse, was damit alles passieren kann. Noch Mitte letzten Jahres besaßen zwar 45 Millionen Deutsche einen internetfähigen Personalausweis, aber nur ein Drittel ließ die Online-Funktion überhaupt aktivieren.

Ironischerweise stellte die Bundesdruckerei bereits 2007 einen eID Prototypen auf der Messe Cebit vor, mit der EU-Bürger auch ihre Wohnung ummelden und sich ihr Rentenkonto anzeigen lassen können. Das war – wohlgemerkt – 2007. Jetzt, über zehn Jahre später, gibt es immer noch nichts, außer einer Verordnung, die besagt, dass die EU-Staaten untereinander ihre digitalen ID-Modelle grenzüberschreitend anerkennen müssen.

Universeller Einsatz für echten Mehrwert

In der Privatwirtschaft funktionieren digitale IDs bereits, siehe Google. Deutsche Konzerne reagierten daraufhin mit Diensten wie „Verimi“ (Deutsche Bank, Allianz, Axel Springer), „Yes“ (Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken) oder „NetID“ (RTL, Pro Sieben Sat 1, United Internet). Doch mit vielen verschiedenen Single-Sign-On-Diensten geht am Ende der übergreifenden Lösungsansatz verloren. Meiner Meinung nach sollte das Thema ID beim Staat liegen, um sie über alle Grenzen hinweg, in allen Diensten, nach gleichen Standards nutzen zu können. Natürlich kann der Staat dafür auch Kooperationen mit privaten Anbietern eingehen, Hauptsache am Ende wird ein universeller Einsatz erreicht, der einen echten, gesellschaftlichen Mehrwert bringt.

Das ist mein Traum. Hat er sich jetzt, nach der Wahl, erfüllt? Nein. Aber es lohnt sich, den Weg weiterzugehen. Damit ich wieder die Kontrolle über meine digitale Identität bekomme.