KolumneDonald Trump - Präsident der Widersprüche

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Vor gut zwei Jahren wurde Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Seine Wahl stellt eine Zeitenwende dar. Wenn der Satz wahr ist, dass entweder die Geschichte die Staatsmänner macht oder aber die Staatsmänner die Geschichte machen, dann zählt Trump in die zweite Kategorie.

Verträge, Abmachungen und Bündnisse respektiert Trump nicht. Sein Verhältnis zu Recht und Gesetz ist dubios. Noch grotesker steht es um Wahrheitsliebe und Redlichkeit. Von anderen Staatsmännern, zumal von verbündeten Staaten, hält er wenig. Seine Präferenz liegt auf erfolgreichen Geschäftsleuten. Gerne lässt er sie das auch wissen, denn er ist streitlustig. Seine bevorzugten rhetorischen Mittel sind die Beleidigung und die Drohung. Seine Methodik ist von Erpressungen kaum zu unterscheiden. Von Multilateralität hält er nichts, Frauen teilt er gerne öffentlich mit, was er von ihrem Äußerem hält. Wer ihm widerspricht, muss damit rechnen, kurze Zeit später per gezwitscherter Kurznachricht als dumm, hässlich oder faul beschimpft zu werden. Kombinationen aus diesen drei Varianten sind ebenfalls gängig.

Das Ganze besitzt eine äußerst komische Seite. Für die Medienbranche ist Donald Trump ein Glücksfall, denn der cholerische Präsident findet sich täglich in deren Fokus. Und das Wahlvolk der USA kann jetzt nicht behaupten, es habe nicht gewusst, wer sich dort für das Präsidentenamt bewarb. An Warnungen aus dem In- und Ausland hatte es wahrlich nicht gefehlt. Am spannendsten war wohl der Hinweis der Vereinigung amerikanischer Psychiater, die frühzeitig darauf hinwiesen, dass Trump verhaltensgestört und für ein öffentliches Amt ungeeignet sei.

Trumps widersprüchliche Entscheidungen

Inhaltlich fällt der Präsident durch geringe Sachkenntnisse und schlechte Personalentscheidungen auf. Von seinen Manieren muss nicht gesondert gesprochen werden. Diplomatie ist ihm völlig fremd. Die enorme Fluktuation innerhalb des Weißen Hauses sucht ihresgleichen in der amerikanischen Geschichte. Und doch hat Trump durchaus nicht in allem Unrecht, was er angeht. Nehmen wir etwa China. Trump hat bemerkt und ausgesprochen, dass China kein fairer Spieler auf dem Gebiet der Marktwirtschaft ist. Es wird aber Trumps Geheimnis bleiben, warum er dem gegen China gerichteten pazifischen Freihandelsabkommen TPP nicht beigetreten ist.

Ähnlich widersprüchlich ist seine Haltung zum transatlantischen Freihandel. Wäre Trump an der Abschaffung von Zöllen zum Beispiel auf Autos interessiert gewesen, dann hätte er TTIP nur unterschreiben brauchen und sein Ziel wäre erreicht gewesen. An seiner kategorischen Weigerung wurde aber deutlich, dass der Präsident in keiner Weise gewillt ist, Gesetze, Vorschläge oder Verträge seines Amtsvorgängers Barack Obama als vorteilhaft für die USA anzuerkennen. Tatsächlich gehört es zu Trumps Programm, alles auszulöschen, was Obama auf den Weg gebracht hat. Am klarsten tritt dieser Zug in der Umweltpolitik zutage. Dort meint Trump, in Verkennung der ökonomischen Realitäten, die guten alten Zeiten der Kohleindustrie wiederbeleben zu können. Bestenfalls dient er damit einer kleinen Minderheit ehemaliger und derzeitiger Mitarbeiter der Minengesellschaften. Überhaupt hat sich Trump in der Industriepolitik vergaloppiert. Weil die US-Wirtschaft nämlich überwiegend aus Dienstleistungsgewerken besteht (mehr als 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung) mutet es anachronistisch an, mit Verve überall Handelsstreitigkeiten anzuzetteln.

Trotz verquerer Sichtweisen – Wiederwahl möglich

Am schönsten sieht man den Unsinn bei seiner Beurteilung des Brexit. Als großer Brexit-Fan ist Trump völlig entgangen, dass sehr wichtige amerikanische Servicebranchen (Finanzen, Jurisprudenz, Steuern, Unternehmensberatung, Accounting, Wirtschaftsprüfung etc.) den europäischen Markt durch eine starke Präsenz in Großbritannien bearbeiten.

Durchaus richtig ist übrigens Trumps Instinkt, was den Mittleren Osten anbelangt. Wohl ahnend, dass die amerikanischen Abenteuer in Afghanistan, Irak und Syrien ein Debakel sind, will er diesem Spuk ein Ende bereiten. So richtig diese Absicht auch sein mag, strategisch und diplomatisch ist das Ganze gegenüber den Partnern (Israel, Nato, Deutschland, etc.) ein Fiasko und ungefähr so unklug, wie der Impulsiv-Ausstieg aus der Atomkraft durch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Für Lacher hat auch der Aktionismus Trumps gegenüber Nordkorea gesorgt. In eitler Verdrehung der dortigen Realitäten (China hält den Schlüssel zu Kim Jong-un in der Hand) schockierte der US-Präsident die langjährigen Verbündeten Japan und Südkorea mit seinem frivolen PR-Stunt in Singapur. Sein bananenrepublikanischer Regierungsstillstand sorgte überdies zuletzt für weltweites Kopfschütteln.

Trotzdem hat Trump in zwei Jahren durchaus Chancen, als Präsident wiedergewählt zu werden. Denn der dann 75-Jährige ist ein erfolgreicher Wahlkämpfer und große Teile des weißen amerikanischen Prekariats nebst den vielen Stiefelleckern in der republikanischen Partei bilden eine loyale Basis für den Präsidenten. Freilich bleibt allentscheidend, wie sich in den USA die Wirtschaft bis dahin entwickelt.

Ihr
Dr. Christoph Bruns


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