ThemenspecialDigitalisierung und Mittelstand: Wir sind jetzt auch auf Instagram

Seite: 2 von 2

Nachvollziehbare Skepsis

Als Vorreiter sehen die Experten der staatlichen Bank nur ein Fünftel der Firmen. Und um auf diese Zahl zu kommen, sind die Autoren bei der Bewertung der vermeintlichen Digitalisierer eher großzügig. Denn der weit überwiegende Teil jener Unternehmen, die angeben, in Digitalisierung zu investieren, kümmert sich laut Studie vor allem um den eigenen Onlineauftritt, etwa in sozialen Netzwerken, sowie um eine bessere Kommunikation mit Kunden oder um die Erneuerung der eigenen EDV.

Das heißt: Selbst für die digitalen Vorreiter unter den deutschen Mittelständlern bedeutet Digitalisierung bislang kaum mehr, als Netzauftritt und IT ein wenig aufzumöbeln – und nicht, Produkte, Hie­rarchien und Geschäftsmodelle auf die neuen Zeiten einzustellen. „Viele digitalisieren zunächst ihre bestehenden Geschäftsprozesse“, sagt Michael Marbler, der die Mittelstandsstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY verantwortet.

Angesichts der hohen Kosten von Digitalisierungsmaßnahmen bei zugleich sehr ungewissem Effekt ist die Zögerlichkeit vieler Unternehmer nachvollziehbar. Die Furcht vor Fehlinvestitionen sei real, sagt EY-Autor Marbler, der zugleich davor warnt, den Mittelstand vorschnell abzuschreiben. „Diejenigen, die noch abwarten, laufen Gefahr, dass sie durch ihre Kunden und Lieferanten in Zugzwang geraten.“ Manche Digitalisierungsschritte setzen sich ohnehin irgendwann über die Prozessketten von den Großkonzernen zu den mittelständischen Zulieferern durch.

„Die Haltung deutscher Familienunternehmen zur Digitalisierung zeugt von einer gewissen Blauäugigkeit und ungekannter Naivität“, sagt Uwe Rittmann von der Beratung PwC, die jährlich gezielt Unternehmen in Familienhand befragt. Das Ergebnis der jüngsten Studie: Nicht einmal 25 Prozent der Unternehmen hierzulande sehen sich durch die digitale Disruption bedroht. „Drei Viertel sehen also keinen Grund, ihr Geschäftsmodell zur Zukunftssicherung zu ändern“, schreiben die PwC-Autoren.

Die Orientierungslosigkeit hat wohl auch damit zu tun, dass gerade Chefs und Eigentümer zu wenig Ahnung von digitalen Fragen haben. Oliver Falck vom Ifo-Zentrum für Industrieökonomik hat Daten des Jobnetzwerks Linkedin ausgewertet, um die Digitalkompetenzen der deutschen Industrie zu erfassen. „Inhaber sind besonders inkompetent“, sagt er. „Das könnte den Schluss nahelegen, dass inhabergeführte Unternehmen nicht unbedingt der Treiber des digitalen Wandels sind.“

Neben Ratlosigkeit vermuten die Experten von PwC einen zweiten Hauptgrund für das deutsche Digitalschwächeln: Erfolg. „Bisher gab es wegen des Wachstums der letzten Jahre keine ökonomische Notwendigkeit, etwas zu verändern“, urteilen sie. „Das ist ein Trugschluss.“ Immerhin: Die komfortable Lage der stets gefüllten Auftragsbücher geht gerade zu Ende.

 

Hier geht es zur Übersicht des Themenspecials Digitaler Mittelstand