MittelstandWie ein Mittelständler Digitalisierung und Nachfolge verknüpft

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Umgekehrter Triathlon

Wo steht Viessmann nun, nach drei Jahren Umbau? Nach der Neuordnung an der Spitze, nach Wattx, Dutzenden Start-ups im Portfolio, die nur englischsprachige Webseiten haben, auf denen Begriffe wie AI, Blockchain und PropTech stehen? Nach so vielen Workshops und unzähligen Flügen zwischen Berlin und Allendorf – wo sie mit dem Flieger auf dem eigenen Flugplatz landen können, den der weise Großvater schon in den Sechzigern bauen ließ?

Gestern hatten sie wieder ein „State of the World“-Meeting. Da kam diese Frage nach dem Marathon auf. Da sagte das Team von sich aus: Wir sind bei Kilometer fünf. Und Max ergänzte: Eigentlich ist es ein Triathlon, den man andersherum startet. Laufen, dazwischen ein wenig Fahrrad, dann schwimmen. Aber erreicht ist trotzdem schon einiges. „Wir sind zunehmend agiler“, sagt Max. „Wir könnten den Kurs der Firma auf Monatsbasis anpassen.“

Max Viessmann erläutert auf dem Leadership Summit die Strategie
Max Viessmann erläutert auf dem Leadership Summit die Strategie (Foto: Florian Lein/PR)

Man sieht ihm die Dichte des Terminkalenders an, hinter der hohen Stirn arbeitet es ständig. „Die Schultern sind schwerer geworden, ganz klar“, sagt er. Ist sein Alter eigentlich noch ein Thema? Jeden Tag, bekennt er, allerdings weniger im Unternehmen, sondern nach außen. Es ist okay, unterschätzt zu werden. Er sagt: „Ich bin nicht in der Position, weil ich vorgebe, mehr Erfahrung zu haben. Ich bin da, weil ich neue Impulse setzen möchte.“

Der Vater hört ihm zu, immer lächelnd, nickend. Entweder haben sie sich geeinigt, nach draußen keine Sollbruchstellen zu zeigen. Oder es gibt tatsächlich keine. „Wir haben die Fähigkeiten, gegen den Strom zu schwimmen und Durststrecken auszuhalten“, sagt Martin Viessmann.

Was wäre, wenn der Vater morgen auf eine lange Reise gehen würde, zwölf Monate raus, schwer erreichbar? Was wäre seine Botschaft an den Sohn? Der Vater überlegt kurz, dann lässt er sich auf das Rollenspiel ein, dreht sich am Tisch zu seinem Sohn, raus aus der Interviewsituation.

„Ja, Maximilian“, beginnt er, „die nächsten zwölf Monate werde ich schwer erreichbar sein. Wäre schön, wenn wir dennoch unseren Jour fixe beibehalten würden. Das heißt, dass wir in Kontakt bleiben. Mein Lieber, ich habe das größte Vertrauen in dich, dass die digitale Transformation gelingt. Ich kann dich nur bestärken, in der Weise weiterzumachen, wie du das bisher gemacht hast.“


Das ist die neue Generation der Familienunternehmer