GastbeitragDie Wiederentdeckung der Handlungsfähigkeit

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Die AfD ist rückwärtsgewandt

Klimaschutz schafft Innovationen, technologischen Fortschritt, Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze, führt zudem zu einer Modernisierung der Industrie, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft und schafft beziehungsweise sichert dadurch Arbeitsplätze.

Doch ausgerechnet die, denen angeblich die Stärkung Deutschlands so sehr am Herzen liegt, sind die erbittertsten Gegner jeder Art von wirtschaftlicher Erneuerung. In keinem anderen Feld jenseits der Flüchtlingspolitik hat die AfD so eine klare und radikale Position wie in der Klima- und Energiepolitik, wo sie sich an ein Weltbild des letzten Jahrhunderts klammert. Alles, was vor 50 Jahren noch gut schien, soll möglichst lang konserviert werden: Kohle, Atom und Öl. Zukunft findet nicht statt.

Doch dass die AfD Stimmen gewinnt, liegt nicht daran, weil die Menschen zurück in die Vergangenheit wollen. Denn den allermeisten ist durchaus bewusst, dass das fossile Zeitalter zu Ende geht. Genauso wenig wie wir privat noch Kohleöfen nutzen, um unsere Wohnungen zu heizen, wird man künftig noch per Kohlekraftwerk Strom erzeugen. Was drinnen die Tapeten grau und rußig werden ließ, verdreckt draußen die Umwelt. Schlimmer noch: Schon der Abbau des Rohstoffs Kohle, noch bevor sie verbrannt und ihre schädliche Folgen durch modernste Filter gemindert werden können, verursacht erhebliche Umwelt- und Gesundheitsschäden.

Wir benötigen dringend eine „Agenda 2030“

Der Stimmenzuwachs der AfD erklärt sich deswegen vor allem als Protest, nicht gegen die Modernisierung, sondern gegen den fehlenden Handlungswillen der großen Volksparteien. Die jüngsten Ergebnisse zäher Verhandlungen innerhalb der Großen Koalition sprechen Bände: Man will erneuerbare Energien fördern, aber nicht so schnell. Vorwärts im Rückwärtsgang.

Dabei leugnen selbst hartnäckige Revisionisten nicht mehr den Klimawandel, sondern bestreiten nur die menschliche Verantwortung. Doch genau darum geht es: Verantwortung zu übernehmen statt den Kopf in den Sand zu stecken. Das ist unbequem, aber es wird Zeit. Der aktuelle politische Umbruch in den bisherigen Volksparteien ist die vielleicht letzte Chance, sich dieser Verantwortung rechtzeitig zu stellen. Wir benötigen dringend eine „Agenda 2030“, bei der Energie und Arbeit dezentral organisiert und intelligent vernetzt sind.

Zur Wahl steht bei den alten Volksparteien jetzt die Zukunft: Digitalisierung, Migration und demographischer Wandel – eine zuverlässige, ressourcenschonende und dauerhaft effiziente Energieversorgung spielt bei all diesen Themen eine Schlüsselrolle. Durchsetzen werden sich hoffentlich jene Kräfte, die verstanden haben, dass wir unsere Gesellschaft in puncto Energie fit machen müssen. Die künftige Energiewelt, wie sie sich schon heute an allen Ecken und Zipfeln der Welt zeigt, ist kleinteilig und dezentral. Sie basiert auf einer klugen Vernetzung volatiler erneuerbarer Energien, flexibler Speicher und intelligenter Energiemanagement- und Einspar-Technologien. Dazu passen nicht die Methoden und Techniken der alten Energiewelt. Das künftige Energiesystem ist „3D“: dezentral, dynamisch und digital. Genau so müssen die Menschen denken können, die jetzt die Verantwortung übernehmen. Es geht um die Wiederentdeckung der Handlungsfähigkeit.

Ein echte Wende heißt – das wissen wir spätestens seit 1989 – Mauern einreißen, vor allem in den Köpfen. Wir haben die Wahl zwischen Totalitarismus, Einseitigkeit und Engstirnigkeit versus Zukunft, Intelligenz, Demokratie und Partizipation. Die Neu-Positionierung der Parteien ist auch eine Chance, sich von nostalgischer Fortschrittsverweigerung zu verabschieden und sich dem zukunftsorientierten Fortschrittswillen zuzuwenden – kurz: Es ist eine Entscheidung zwischen gestern und morgen, auch und gerade in der Energie- und Klimapolitik.