SuperreturnDie Weltwirtschaft steht vor einer Banane

Leon Black (l.) und David Rubenstein im Gespräch auf der Superreturn 2019
Leon Black (l.) und David Rubenstein im Gespräch auf der Superreturn 2019Horst von Buttlar

Wenn David Rubenstein spricht, dann rattert er förmlich durch die Probleme, Daten und Herausforderungen auf dieser Welt: Wachstum, Zinsen, Schulden, Russland, Trump, Nordkorea, Übergewicht in Amerika, Iran, Demografie, für jedes dieser Themen hat der Chef der Carlyle Group ein Slide mit flotten Grafiken; und er nimmt sich zwischen 20 und 30 Sekunden Zeit für jedes Problem – es fehlt nur ein wenig die zentrale Botschaft: Was denkt Rubenstein, dessen Auftritt wie jedes Jahr zu einem der Highlights auf der Berliner „Superreturn“ gehört? Wohin geht die Reise?

Die „Superreturn“ ist mit ihren rund 2500 Teilnehmern nicht nur das Treffen des großen Geldes auf dieser Welt, sondern auch der Puls des Geldes; nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist es die zweite Veranstaltung im Jahr, wo man einen Eindruck gewinnen kann, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht. Und da die Stimmung im Januar in Davos schon gedämpfter als im Wir-haben-einen-super-weltweiten-synchronen-Aufschwung-Jahr 2018 war, fragte man sich dieses Mal: Wie steht es um dem breitbeinigen Daueroptimismus der Investoren und der Private-Equity-Branche?

Sag bloß nicht das R-Wort

Rubenstein hatte zwar keine übergreifende Botschaft, aber eine gute Anekdote: Nie würde er von einer Rezession sprechen, sagte er, er würde nur sagen, dass andere von einer Rezession sprechen – das habe er schon in seiner Zeit im Weißen Haus gelernt, als er noch Berater von US-Präsident Jimmy Carter war. Sag niemals öffentlich das R-Wort, wurde ihm damals eingeschärft, das macht den Leuten nur Angst. Was aber, wenn wirklich eine Rezession droht, fragte er. Dann sprich von einer Banane, sagte man ihm. „Wir stehen also vielleicht vor einer Banane.“

Mit dieser Andeutungsanekdote reiht sich Rubenstein in die Reihen jener ein, die vorsichtiger argumentieren, die sehen, dass sich die Weltwirtschaft abschwächt – und so lässt sich auch die Stimmung auf der „Superreturn 2019“ zusammenfassen: Überall ist nervöser Optimismus. Ein Abschwung ist für die Branche ja nicht gleich ein Problem, oft sogar eine Chance, wenn etwa Unternehmen in Schieflage geraten. Dieser angespannte Optimismus aber hat noch eine weitere Ursache: Hinter den Investoren liegen viele fette und goldene Jahre. „Die letzten Jahre waren ein Märchen“, fasste Michael Phillips, Managing Partner von Castik Capital die Stimmung zusammen. „Und deshalb glauben zu viele, dass sie Genies sind.“ Klar, wer vor allem erlebt hat, dass sein Geld sich vervielfacht, führt das bald vor allem auf sich selbst zurück.

Zwei Billionen an „ trockenem Pulver“

2018 war für die PE-Branche wieder ein gutes Jahr, es reichte nicht überall an das Rekordjahr 2017 heran, aber die Zahlen verschlagen einem durchaus den Atem: Es gab, so hat eine Studie von Bain & Company errechnet, knapp 3000 Deals, der Wert der Käufe (Buyouts) betrug 582 Dollar. Interessant ist, dass die Zahl der Deals sank (minus 13 Prozent), die Summe, die dafür auf den Tisch gelegt wurde, aber stieg (plus zehn Prozent). „Die Investoren zahlen Preise, die sie geschworen haben niemals zu zahlen, und sie streben nach Werten, die sie vielleicht niemals bekommen werden“, schreibt Hugh Mac Arthur, Head of Global Private Equity bei Bain in der Studie.

Vor allem eine Zahl aber bereitet manchem Berater und Investor Sorgenfalten: Die Summe des eingesammelten, aber noch nicht investierten Geldes – das so genannte „Dry powder“ – beläuft sich laut Bain inzwischen auf 2 Billionen Dollar, das entspricht in etwa dem BIP von Italien oder dem jährlichen privaten Konsum in Deutschland. Dieses trockene Pulver steigt seit Jahren, sprich: Immer noch gibt es zu viel billiges Geld für zu wenige gute Deals.

Die Ironie ist: Obwohl also zu viel Geld da ist, wird weiter eingesammelt. 2018 warb die PE-Branche frisches Geld in Höhe von 714 Mrd. Dollar ein. (Seit 2014, so die Studie von Bain, summieren sich die Kapitalzuflüsse auf satte 3,7 Billionen Dollar.)

Die Branche hat ein Luxusproblem. „Sie ist gewissermaßen Opfer ihres eigenes Erfolges“, sagte Steve Roberts, Private Equity Leader von PwC. Und jene, die noch die Krise von 2010 erlebt haben, fragen nun Jahr für Jahr, wie lange das noch gut geht – und ob wirklich so viele gute Deals und Dealmaker unterwegs sind. Eine Frage, die man freilich seit drei Jahren hört wie „Last Chrismas“ von Wham zu Weihnachten.

Was also tun? Die Antworten, die man auf der „Superreturn“ erhält, klingen mal erstaunlich einfach, mal achselzuckend, mal wohlfeil, mal breitbeinig. Weitermachen (weil ja noch gut verdient wird), bessere Deals machen als andere (weil es nicht nur mehr Geld, sondern auch immer mehr Konkurrenz gibt, etwa durch Family Offices), sich länger in Firmen engagieren und Nischen finden – aber ja nicht aussteigen, solange die Musik spielt. Oder auch die Formel „Go big or go home“ macht die Runde, was den Trend zu neuen Megadeals und Megafunds unterstreicht.

Es war Leon Black, der milliardenschwere Gründer von Apollo, dem auch die Frage nach dem zu frühen Exit gestellt wurde. Black hatte schon vor einigen Jahren geraten, zu „verkaufen, was nicht niet- und nagelfest“ ist. Bereut er das heute, weil er eine viel höhere Rendite hätte einfahren können? „Ich bereue nichts“, sagte Black, der ein großer Kunstmäzen ist und unter anderem im Besitz von Edvard Munchs „Der Schrei“ sein soll. „Manchmal muss man die Chips vom Tisch nehmen.“ Zumal er ja weiter investiert hat.

Aber nicht immer geht es um Weitsicht oder Können. Black erinnerte an die Pleite der Investmentbank Drexel Burnham Lambert im Jahr 1990, für die er gearbeitet hatte. „Das war eine Rakete, die nach oben ging und wieder abstürzte.“ Danach startete er Apollo, es wurde die Grundlage seines großen Erfolges. Sein Rezept? „Ich hatte viel Glück. Und kluge Leute um mich herum.“