BankenDie wahre Geschichte der Sparkasse Düsseldorf

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Nun sei mal dahingestellt, wann die Kehrtwende wirklich beschlossen wurde, ob vor oder nicht doch eher nach dem Lehman-Schock; und ebenso sei dahingestellt, warum die Geschäfte erst 2009 begrenzt wurden und nicht schon 2008. Denn, unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Wann immer die Reißleine gezogen wurde, es war zu spät. Allein 2008 ging die Sparkasse Düsseldorf zwölf neue Private-Equity-Engagements ein. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der Engagements auf sage und schreibe 55. Die finanziellen Zusagen an die Fonds summierten sich nun auf unfassbare 481,8 Mio. Euro.

Vor der Haustür explodierten die Banken (WestLB) oder waren schon explodiert (IKB), und auch bei der Sparkasse Düsseldorf erreichten die Verluste nun alarmierende Dimensionen. 2008 lag der Konzernfehlbetrag bei 152,8 Mio. Euro, binnen zwölf Monaten verbrannte das Kommunalinstitut rund ein Fünftel seines Eigenkapitals, nicht nur, aber schon auch aufgrund von Abschreibungen auf das Private-Equity-Portfolio. Manch einer hörte vermutlich schon die Bombe ticken.

Doch dann passierte Folgendes: Die Bombe tickte zwar. Aber sie ging nicht hoch. Nicht 2009, nicht 2010, nicht einmal auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise 2011 – obwohl sich unter den Private-Equity-Engagements auch solche in Spanien, Portugal und Italien befanden.

Ein Grund zum Feiern

Die skandalfreudige Sparkasse Düsseldorf unterhielt die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem nächsten Zerwürfnis zwischen Vorstand und Verwaltungsrat. An die Institutsspitze rückte Arndt Hallmann, der dritte Chef binnen vier Jahren. Und dieser Hallmann muss bald geahnt haben, dass es sich bei dem vermeintlichen Damoklesschwert, das er von seinen Vorgängern übernommen hatte, vielleicht gar nicht um ein Damoklesschwert handelt. Sondern um eine Wunderwaffe gegen die schwierigen Zeiten. Finanz-Szene.de jedenfalls liegt ein internes Dokument aus dem Jahr 2013 vor, das mit dem Wort „Geschäftsstrategie“ überschrieben ist. Und dort findet sich auf Seite 13, untere Tabelle, die Spalte 3c, in der es um die „Netto-Beteiligungsergebnisse“ geht. Den Planungen zufolge sollten sie von zunächst 9,2 Mio. Euro jährlich bis auf 29,1 Mio. Euro in 2018 ansteigen, getrieben durch die Private-Equity-Deals.

Hallmann und seine Kollegen hatten sich freilich verkalkuliert. Denn die Planzahlen wurden bald meilenweit übertroffen. 2013 durfte der Vorstand bereits 21 Mio. Euro aus den Private-Equity-Geschäften „ertragswirksam vereinnahmen“, wie es im Geschäftsbericht heißt, 2014 waren es dann schon 25 Mio. Euro, 2015 sogar 53 Mio. Euro, 2016 schließlich 66 Mio. Euro. Während viele deutsche Banken bei ihren „Kreditersatzgeschäften“ auf die falsche Anlageklasse gesetzt hatten (nämlich auf Subprime-Immobilien), erwischte die Sparkasse Düsseldorf die richtige – Private Equity.

Eigentlich ein Grund zum Feiern. Oder vielleicht doch nicht?

März 2018, Bilanz-Pressekonferenz der Stadtsparkasse Düsseldorf. 15 DIN-A4-Seiten ist das Redemanuskript lang, das Vorstandschefin Göbel vorbereitet hat. Einen Begriff sucht man in dem Dokument allerdings vergeblich: Private Equity.

Jahr für Jahr geht das so. Wenn die Sparkasse Düsseldorf die lokalen Medien und die Finanzblätter zur Präsentation der Geschäftsergebnisse lädt, dann wird jener Posten, der seit Jahren für einen beträchtlichen Teil des Gewinns steht, schlichtweg ausgespart. Stattdessen schlägt der Vorstand die Millionen einfach dem Zinsüberschuss zu, sodass der Eindruck entstehen muss, das Geld sei im ganz normalen Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden verdient worden.

Bundesweite Beachtung

Auch Oberbürgermeister und Sparkassen-Chefkontrolleur Thomas Geisel hält sich bei dem Thema auffällig bedeckt. Schon seit Jahren tobt ein öffentlicher Streit zwischen der Kommune und ihrem Geldinstitut über die Frage, ob die Sparkasse nicht einen größeren Teil ihrer Gewinne an die Stadt ausschütten müsste. Wegen seines Präzedenzcharakters findet der Knatsch längst bundesweite Beachtung. Und trotzdem offenbaren weder Göbel noch Geisel, um welche Art von Gewinnen da eigentlich gestritten wird. Geisel sagt hierzu gegenüber Finanz-Szene.de: „Ich habe immer gesagt, die Sparkasse soll so ausschütten, wie sie in der Lage ist.“

Dabei ist dieser Punkt ja absolut zentral: Die Stadt könnte argumentieren, zumindest die glücksspielhaft erwirtschafteten Private-Equity-Profite stünden der öffentlichen Hand zu; während der Vorstand umgekehrt argumentieren könnte, das operative Geschäft werfe so wenig Gewinn ab, dass die Sparkasse die Sondererträge umso dringender zur Stärkung ihrer Rücklagen braucht. Stattdessen wird seit Jahren eine Scheindebatte geführt. Ob die Beteiligten schlicht darauf spekuliert haben, die Sache würde nie herauskommen?

Apropos Spekulation: Irgendwann zur Zeit der heraufziehenden Finanzkrise soll es bei der Stadtsparkasse Düsseldorf den Plan gegeben haben, die Private-Equity-Investitionen auf 1 Mrd. Euro zu verdoppeln. Man hat sich dann doch dagegen entschieden. Schade eigentlich.

Der Artikel erschien zunächst bei Finanz-Szene.de, dem täglichene Newsletter für die deutsche Banken- und Fintech-Branche.