BankenDie wahre Geschichte der Sparkasse Düsseldorf

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Wer die wahre Geschichte der Stadtsparkasse Düsseldorf verstehen will, der muss …

  • erstens eine kleine mentale Zeitreise unternehmen, und zwar in die frühen bis mittleren Nullerjahre. An der Spitze der deutschen Sparkassen steht damals ein Mann, der im Grunde genau jenes Ziel propagiert, für das wenige Jahre später ein gewisser Josef Ackermann scharf angegriffen werden wird – nämlich die Maximierung der Eigenkapitalrendite. Okay, 25 Prozent wie beim Deutsche-Bank-Chef sollten es nicht sein. Aber 15 Prozent dann bitteschön doch. Mindestens. So jedenfalls erklärt es der damalige Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt Ende 2002. Die meisten öffentlich-rechtlichen Institute sind von dieser Zielvorgabe freilich weit entfernt. So kommt es, dass sich eben nicht nur die Landesbanken und die privaten Geldhäuser plötzlich für sogenanntes Kreditersatzgeschäft interessieren. Sondern auch manche Sparkassen
  • und zweitens? Zweitens muss man einen Fachaufsatz kennen, der Anfang 2004 unter dem Titel „The Risk Profiles of Private Equity“ (Die Risikoprofile privater Beteiligungs-Engagements) veröffentlich wird – und der in der Stadtsparkasse Düsseldorf schon bald begeisterte Rezipienten findet. Autoren sind ein Elementarteilchen-Physiker namens Tom Weidig und ein „Master cum laude“-Absolvent der London Business School namens Pierre-Yves Mathonet.

Weidig hat laut seines Lebenslaufs die Physiker-Laufbahn aufgegeben, um als Risikoanalyst bei Bear Stearns anzuheuern, also bei jener US-Investmentbank, die wenige Jahre später untergehen wird, weil sie ihre Risiken nicht im Griff hat. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung indes arbeitet Weidig offenbar nicht mehr für Bear Stearns, sondern als Berater für Risikokapital-Geschäfte beim Europäischen Investitionsfonds, einem Finanzvehikel der EU-Kommission. Genau dort ist zu jener Zeit auch der Co-Autor Mathonet beschäftigt, der zuvor unter anderem für die Investmentbank Credit Suisse First Boston tätig gewesen ist.

Bibelgleicher Status

Wie der Aufsatz damals in die Sparkasse Düsseldorf gelangt, ist unklar. Und es lässt sich auch nicht mehr recherchieren, warum der Artikel bei den Kommunalbankern einen solchen Eindruck hinterließ. Naheliegenderweise könnte es allerdings die Thesenzeile gewesen sein, die den Beitrag so verführerisch machte. Die nämlich lautete: „Private equity is a risky asset, but private equity investments are not necessarily so“ – übersetzt also: „Privat Equity ist riskant, aber Private-Equity-Investments sind es nicht unbedingt.“ Ohne große Mühe lässt sich in diese Zeile ein Subtext hineinlesen: „Wer es richtig anstellt, der kriegt Private-Equity-Renditen, ohne dafür Private-Equity-Risiken eingehen zu müssen.“ Und das Ganze garniert mit dem zwar nicht offiziellen, aber doch mitschwingenden Gütesiegel einer anerkannten EU-Institution. Denn unter der Studie stand: „Wir danken dem Europäischen Investitionsfonds (…) für seine Unterstützung.“

Jedenfalls: Der Beitrag der beiden, nun ja, „Wissenschaftler“ muss bei der Stadtsparkasse Düsseldorf einen bibelgleichen Status gehabt haben. Denn glaubt man den damaligen Geschäftsberichten, dann genügte der schmale Artikel als Rechtfertigung für den fulminanten Einstieg ins Private-Equity-Geschäft vollkommen aus. So heißt es unter dem Stichwort „Risikosituation“ gleich in mehreren von Finanz-Szene.de gesichteten alten Jahresabschlüssen fast wortgleich: „Für Fondsinvestments der Equity Partners GmbH sehen wir das Ausfallrisiko im Bereich Private Equity Fund-of-Funds auf Basis einer Studie (The Risk Profiles of Private Equity, T. Weidig/P.-Y. Mathonet, Luxemburg, 2004) aufgrund des hohen Diversifikationsgrads als gering an.“ Punkt.

Dann aber krachte im Frühjahr 2008 Bear Stearns zusammen, also der frühere Arbeitgeber eines der beiden Studien-Autoren; im Herbst des gleichen Jahres erwischte es Lehman Brothers; und auch die Credit Suisse, bei der der andere Autor beschäftigt gewesen war, geriet aufgrund riskanter Wetten ins Trudeln. Die Finanzwelt und nicht nur die standen Kopf. Und bei der Sparkasse Düsseldorf?

Strategieänderung 2009

Wurden sie im Zuge dieser epochalen Ereignisse vermutlich dann doch ein bisschen nervös. Wovon die Öffentlichkeit freilich wenig mitbekam. Denn die kümmerte sich im Zusammenhang mit der Stadtsparkasse damals lieber um die „Affäre Maxfield“ – also um die von der Sparkasse üppig alimentierte Firma des Franjo Pooth, Ehemann der B-Prominenten Verena Pooth. Hinter den Kulissen freilich dürfte die Gewichtung damals eine andere gewesen sein. Denn bei „Maxfield“ ging es letztlich um potenzielle Verluste in einstelliger Millionenhöhe. Bei den klandestinen Private-Equity-Deals hingegen stand das 50-Fache, wenn nicht das 100-Fache auf dem Spiel.

Nachdem Vorstandschef Heinz-Martin Humme im Februar 2008 im Zuge der „Maxfield-Affäre“ seinen Posten verlor, vollzog die neue Führung die Wende. Wobei diffus bleibt, wann genau. Denn Ende März 2008 setzte der neue Vorstandschef Peter Fröhlich erst einmal seine Unterschrift unter die 2007er-Bilanz, in der noch explizit davon die Rede war, das Ausfallrisiko bei den Private-Equity-Deals sehe man „als gering“ an. Im 2008er-Geschäftsbericht hingegen, der 2009 signiert wurde, hieß es plötzlich, schon „im Frühjahr 2008“ hätten Vorstand und Verwaltungsrat eine „deutliche Strategieänderung der Geschäftsausrichtung beschlossen“. Begründung: Mit der alten Strategie seien „größere Ausfallrisiken und volatilere Erträge“ verbunden gewesen. Deshalb würden „ab dem Geschäftsjahr 2009 auch die über eine Tochtergesellschaft getätigten Investments in Private-Equity-Sondervermögen begrenzt“.