FinanzevolutionDie Nachhaltigkeitsevolution in der Finanzbranche

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Reduktion von Reputations- und Kreditrisiken

Aber mit Nachhaltigkeit lässt sich nicht nur Geld verdienen, sondern auch Risiken reduzieren und damit Kosten sparen. Investitionen oder Kredite in Objekte, die ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte ignorieren, werden zunehmend zu einem Investitions- und Reputationsrisiko. Oliver Patzsch schreibt dazu in einem Blogeintrag der Umweltbank:

„Am offensichtlichsten sind die aus dem Klimawandel resultierenden physischen Risiken. Hierzu gehören beispielsweise Schäden an Gebäuden oder Anlagen durch Extremwetterereignisse. Ebenfalls konnten wir während der Dürre im Sommer 2018 beobachten, wie veränderte Niederschlagsmuster sich direkt auf die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft auswirken.“

Zudem werden Umweltschäden, die von unbeteiligten Dritten zugefügt werden, immer besser den Verursachern zugeordnet. Man denke nur an die sogenannten Emissionszertifikate. Sie sollen der früher „kostenlosen“ CO2-Freisetzung von Unternehmen einen Preis geben und damit die Produktionskosten erhöhen und Anreize schaffen, den CO2-Verbrauch zu reduzieren. Ökonomen sprechen hier von der Internalisierung externer Effekte. Darunter versteht man die direkten oder indirekten Wirkungen wirtschaftlicher Handlungen gegenüber unbeteiligten Dritten ohne eine Gegenleistung. So sind in der Vergangenheit Kosten für die Umweltverschmutzung nicht in die Produktkalkulation eingeflossen. Kein seriös kalkulierender Geldgeber kann es sich heute leisten, solchen Risiken nicht zu berücksichtigen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat dazu ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken herausgegeben.

EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums

Für zusätzliche Betriebsamkeit in den Finanzhäusern sorgt derzeit ein EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Darunter befindet sich auch eine neue EU-Verordnung über die Offenlegung von Informationen über nachhaltige Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken. Mit dieser Verordnung werden Vorschriften festgelegt, die von Finanzmarktteilnehmern Transparenz über die Nachhaltigkeitsrisiken fordern. Kernstück des Aktionsplans soll eine einheitliche Taxonomie (= konsistente Klassifizierung nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten) werden. Nach Darstellung der Bundesbank könne diese Taxonomie Anwendung bei der geplanten Einführung von Nachhaltigkeitslabels für Finanzprodukte und bei der EU-Norm für grüne Anleihen bilden.

Die bisherigen Ausführungen zeigen, dass Finanzhäuser schon aus finanziellen Gründen ein hohes Interesse an einer umfassenden Berücksichtigung von ESG haben sollten. Ökologie und Ökonomie sind also längst nicht mehr voneinander getrennt oder gar gegenläufig. Nach Feststellung der Bundesbank wird in der Finanzbranche keine Diskussion mehr darüber geführt, ob diese nachhaltige Risiken zu berücksichtigen sind, sondern nur noch wie.

 


Dirk ElsnerDirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Hier finden Sie weitere Kolumnen aus der Reihe Finanzevolution