Podcast„Die Modebranche hat Überkapazitäten, dass die Heide wackelt“ 

Marc Freyberg, Geschäftsleiter Marketing & E-Commerce von Brax

Die deutsche Modebranche leidet besonders in diesem Corona-Jahr – aber viele Probleme haben nicht nur mit der Pandemie zu tun, sondern sind auch hausgemacht. „Der Markt hatte schon länger Schwierigkeiten“, sagte Marc Freyberg, Geschäftsführer der Modemarke Brax, im Podcast „Die Stunde Null“. Corona habe die Schwächen nur freigelegt oder beschleunigt.

„Eines ist klar: Dieser Markt leidet unter Überkapazitäten, bis die Heide wackelt“, sagte Freyberg. Es gebe „eine Überfrachtung“ im Markt, immer neue Partner und Player, online und stationär. „Es gibt Marken ohne Ende. Und gerade Deutschland ist da wie ein Hotspot. Oft wird im Einzelhandel und der Modebranche gesagt: Wer in Deutschland überlebt, der kann es in der ganzen Welt schaffen. Oder zumindest in Europa.“

Hinter Brax steht die Leineweber GmbH & Co KG, ein Traditionsunternehmen aus dem ostwestfälischen Herford, 1888 gegründet, 1100 Mitarbeiter. 320 Mio. Euro Jahresumsatz machte Brax noch 2019, ein Rekordjahr. „Wir konnten Krise gar nicht“, sagte Freyberg. „Wir waren erfolgsverwöhnt.“ Für das laufende Jahr rechnet Brax mit einem Rückgang auf 250 Mio. Euro. Unter anderem ein starkes Online-Geschäft, mit dem rund 14 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt werden, federt die Rückgänge im Einzelhandel ab. „Unsere Firma wird das überstehen“, sagte Freyberg.

Der Umsatz mit Bekleidung ist in diesem Jahr stark eingebrochen, laut Daten des Textilhandelsverbandes BTE im Schnitt um 30 Prozent im ersten Halbjahr. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Erlöse im Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren per Ende September knapp 24 Prozent unter dem Vorjahr. Die Einbrüche seien oft aber schlimmer, sagt Freyberg: „Die Frequenzrückgänge sind deutlich höher als 30 Prozent bei unseren Kunden.“

Vorsichtiger Optimismus für 2021

Der erneute Lockdown war für die Branche ein zweiter Schlag. „Gerade der Oktober war echt ein guter Monat. Das war die Welt wieder in Ordnung, die Branche hatte ein bisschen aufgearbeitet, man kam ansatzweise mal wieder auf die Umsätze des Vorjahres“, berichtete der Brax-Geschäftsführer.

Marc Freyberg, der seit drei Jahrzehnten bei Brax arbeitet, sieht das Familienunternehmen allerdings gut gerüstet. Die Liquidität sei gesichert, man habe schon im Laufe des Jahres mit „sehr viel Weitsicht deutlich weniger produziert“. Die vorhandene Ware im Lager werde 2021 verkauft.

Für die Zeit nach Weihnachten erwartet Freyberg allerdings wieder Überkapazitäten. „Wenn der Lockdown elendig weiter geht und die Frequenzen so bleiben, werden wir zum Ende der Saison, Ende Februar, Mitte März, Bestände haben, die deutlich höher sind als das, was ein normales Einsatzgebiet verkraften kann.“ Für 2021 insgesamt aber sieht er „das Glas eher halbvoll“.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • warum auch Brax in dieser Krise Mitarbeiter entlassen musste,
  • was Marc Freyberg über den Millionenauftrag des Landes NRW für den Hemdenhersteller Van Laack denkt,
  • warum die Marktbereinigung auch etwas Gutes haben könnte.

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