FondsDie Mini-Payback-Show

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Es geht um Disziplin

Dennoch überwiegen bislang auch im Fonds die kleinen und großen Coups. Mit der Aktie der Immobilienfirma Patrizia zum Beispiel machten Profitlich und Schmidlin binnen weniger Monate gut 65 Prozent Gewinn – sie hatten die krasse Unterbewertung des Unternehmens so früh erkannt wie kaum ein anderer. Eine ähnliche Performance traut Profitlich dem britischen Immobiliendienstleister Regus zu, bei dem er in Köln selber Mieter ist.

Ein paar originelle Profitbringer ­haben die beiden Geschäftspartner zuletzt auch wieder aufgespürt: Mit britischen Kriegsanleihen fuhr der Fonds in kurzer Zeit zehn Prozent Rendite ein, weil sie die Kündigung der Papiere mit unbegrenzter Laufzeit durch die Londoner Regierung richtig antizipierten. Bei der Übernahme der Schweizer Telekomfirma Matterhorn durch die britische Firma Orange fuhr das Duo „quasi eine Rendite ohne Risiko“ ein, wie Profitlich sagt. Orange hatte nämlich angekündigt, sämtliche ausstehenden Anleihen vorzeitig zurückzuzahlen – was bei einigen Papieren aufgrund spezieller Prospektklauseln nur mit einem deutlichen Aufschlag auf den Marktpreis möglich war.

IQ von 140? Braucht man nicht!

Also doch Genies? „Geldanlage ist keine Rocket-Science“, sagt Profitlich, verputzt das letzte Stück Karottenkuchen – und guckt treuherzig aus seinen großen Augen. Und dann zitiert er den legendären Investor Warren Buffett. „Der sagt auch, dass man keinen IQ von 140 braucht.“ Stattdessen gehe es um Disziplin, darum, die Unternehmen und Emittenten zu verstehen und sich nicht zu sehr von Marktstimmungen beeinflussen zu lassen.

Zum Abschied meint Profitlich: „Wir versuchen alles zu vermeiden, was sich dem analytischen Ansatz widersetzt. Und darum wollen wir auch vermeiden, uns selbst zu überschätzen.“

Der Artikel ist zuerst in Capital 07/2015 erschienen.